Als die Brauerei Cardinal in Fribourg im Jahre 1996 ein erstes Mal geschlossen werden sollte, regte sich grosser Widerstand, und schliesslich setzte die Romandie durch, dass «ihr» Bier weiterhin vor Ort gebraut wird. Seither ist Cardinals Mutter Feldschlösschen ihrerseits von der dänischen Carlsberg-Gruppe geschluckt worden. Und als heute Morgen erneut die Schliessung der Brauerei in Fribourg angekündigt wurde, schien das niemanden mehr aufzuregen. Achselzuckend verwies man auf die Globalisierung und meinte damit jene in der Brau-Industrie.
Mit dieser einher ging indes auch eine Globalisierung am Wirtshaustisch. Vor zehn Jahren noch konnte ich in Lausanne mein Lieblingsbier Cardinal in beliebigen Restaurants, Bars und Hotels trinken. Heute wird da fast überall Carlsberg und Heinecken ausgeschenkt. Parallel zur Konzentration der Brauereien in Europa hatte in der Romandie eine heimliche Nivellierung des Biergeschmacks stattgefunden. Allerdings auf tiefem Niveau, finde ich und freue mich darüber, dass wenigstens in meinem Stammcafé in der Innerschweiz weiterhin Cardinal vom Fass ausgeschenkt wird...
31. August 2010
30. August 2010
Mit Holz befeuert
Dass die Informatik des Bundesgerichts noch weitgehend mit Holz befeuert wird, ist nicht neu. Neue Beispiele dafür, dass Web 2.0 noch nicht ganz angekommen ist auf Mon Repos, werden immer wieder geliefert. So auch heute, als der Newsletter-Service die Annullierung zweier Gerichtstermine meldete. Froh um jede Entlastung meines Terminkalenders wollte ich die Daten umgehend austragen, fand aber nichts dergleichen in meiner Agenda. Das Rätsel löste sich, als ich feststellte, dass die zwei «Termine» auch auf der Webseite des Bundesgerichts kein Datum hatten und gewissermassen zeitlos aufgelistet waren.
Eine eMail mit Screenshot an die Medienstelle führte dann einerseits zu einer Bereinigung der seltsamen Situation auf der höchstrichterlichen Webseite. Anderseits erhielt ich die Auskunft, der Fehler sei beim Aufschalten einer neuen Version des internen Dossierverwaltungssystems aufgetreten. Auf die neue Version bin ich nun sehr gespannt, hat sie es doch im Rahmen des morgendlichen Irrläufers fertig gebracht, der vor allem für Wirtschaftsverwaltungsrecht zuständigen II. Öffentlichrechtlichen Abteilung ein Ehescheidungsverfahren zuzuteilen....
Eine eMail mit Screenshot an die Medienstelle führte dann einerseits zu einer Bereinigung der seltsamen Situation auf der höchstrichterlichen Webseite. Anderseits erhielt ich die Auskunft, der Fehler sei beim Aufschalten einer neuen Version des internen Dossierverwaltungssystems aufgetreten. Auf die neue Version bin ich nun sehr gespannt, hat sie es doch im Rahmen des morgendlichen Irrläufers fertig gebracht, der vor allem für Wirtschaftsverwaltungsrecht zuständigen II. Öffentlichrechtlichen Abteilung ein Ehescheidungsverfahren zuzuteilen....
29. August 2010
Nichts für zarte Seelen
Habe unlängst über Twitter auf einen sehr provokativen Artikel zum Thema Fleischkonsum verlinkt. Ich bin kein Vegetarier und geniesse gerne ein Stück Fleisch. Ich wollte nicht veganes Gedankengut fördern, sondern zum Nachdenken über die extreme Argumentation anregen. Zumal es auch um juristisch hoch interessante Denkansätze ging. Vermutlich hätte ich deutlicher vor dem für einige schockierenden Inhalt warnen sollen. Ich beliess es beim Hinweis, den Link nicht kurz vor dem Essen anzuklicken, und verlor in der Folge umgehend zahlreiche Follower. Das ist nicht weiter schlimm, Follower kommen und gehen auf Twitter. Eine werde ich allerdings vermissen in meiner Timeline, schade. Es war offenbar nicht nur in der Antike so, dass der Bote für den Inhalt der Nachricht verantwortlich gemacht wurde. Immerhin wird man heute nicht mehr geköpft deswegen!
Wer wissen will, worum es geht, findet nachstehend den Link:
Nicht für zart beseelte Gemüter !
Wer wissen will, worum es geht, findet nachstehend den Link:
Nicht für zart beseelte Gemüter !
27. August 2010
Zum Leben verurteilt?
Gestern hat das Bundesgericht entschieden, dass der Walliser Hanfbauer Bernard Rappaz den Unterbruch des Strafvollzugs nicht erhält, den er mit einem Hungerstreik zu erzwingen versuchte. Sollte sich der Gesundheitszustand des zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilten Gefangenen drastisch verschlechtern, müsste er zwangsernährt werden. Das rief heute Ärzte und Ethiker auf den Plan, die von einem unverständlichen Entscheid des höchsten Gerichts sprechen, weil der Staat niemanden gegen seinen Willen ernähren dürfe.
Dem ist ohne weiteres zuzustimmen, doch haben diese Ethiker und Mediziner offensichtlich nicht richtig Zeitung gelesen. Das Bundesgericht ging nämlich davon aus, dass Bernard Rappaz gar nicht sterben will. Wie es sich mit der Zwangsernährung verhält, wenn klar ist, dass der Betroffene sterben will, blieb audrücklich offen. Die Meinungen im höchsten Gericht sind in dieser Frage geteilt. Liberale Richter gehen davon aus, dass auch ein Gefangener das Recht hat, seinem Leben ein Ende zu setzen. Andere vertreten die Auffassung, ein Täter habe seine Strafe gefälligst lebend abzusitzen und dürfe vorher nicht freiwillig aus dem Leben scheiden. Was irgendwie an eine Todesstrafe mit umgekehrten Vorzeichen erinnert. Oder an eine Verurteilung zum Leben.
Dem ist ohne weiteres zuzustimmen, doch haben diese Ethiker und Mediziner offensichtlich nicht richtig Zeitung gelesen. Das Bundesgericht ging nämlich davon aus, dass Bernard Rappaz gar nicht sterben will. Wie es sich mit der Zwangsernährung verhält, wenn klar ist, dass der Betroffene sterben will, blieb audrücklich offen. Die Meinungen im höchsten Gericht sind in dieser Frage geteilt. Liberale Richter gehen davon aus, dass auch ein Gefangener das Recht hat, seinem Leben ein Ende zu setzen. Andere vertreten die Auffassung, ein Täter habe seine Strafe gefälligst lebend abzusitzen und dürfe vorher nicht freiwillig aus dem Leben scheiden. Was irgendwie an eine Todesstrafe mit umgekehrten Vorzeichen erinnert. Oder an eine Verurteilung zum Leben.
24. August 2010
Frische Gefühle
Eine gute Sache, diese beräderten Minibars in den Zügen der SBB. Der Espresso ist sogar besser als in manchem noblen Restaurant. Vorausgesetzt der Akku ist nicht schon bei Reisebeginn leer, wie das bis vor kurzem leider sehr häufig der Fall war.
Nach wie vor ungelöst ist das Problem, dass man nicht wissen oder in Erfahrung bringen kann, ob das im Fahrplan angekündigte Wägelchen auch tatsächlich mitfahrt. Kaufe ich mein Mittags-Sandwich vorsorglich am Bahnhof, ist ganz sicher eine Minibar an Bord, die ich doch so gerne berücksichtigt hätte. Und verlasse ich mich drauf, fährt keine mit, und ich muss zweieinhalb Stunden Hunger leiden.
Ganz unterschiedlich sind übrigens auch die Menschen, die das Wägelchen ziehen. Einige rasen mit gesenktem Kopf und zusammengebissenen Zähnen durch den Zug, als wollten sie die Lokomotive überholen. Sie verkaufen so gut wie nichts. Andere machen mit Charme und Freundlichkeit ganz schöne Umsätze. So auch jener Schwarze, der eines Morgens sein Angebot mit afrikanischer Fröhlichkeit verkündete: «Kaffee, Bier und frische Gefühle!» Erst beim dritten Mal verstand ich, was er meinte: «frische Gipfeli!»
Nach wie vor ungelöst ist das Problem, dass man nicht wissen oder in Erfahrung bringen kann, ob das im Fahrplan angekündigte Wägelchen auch tatsächlich mitfahrt. Kaufe ich mein Mittags-Sandwich vorsorglich am Bahnhof, ist ganz sicher eine Minibar an Bord, die ich doch so gerne berücksichtigt hätte. Und verlasse ich mich drauf, fährt keine mit, und ich muss zweieinhalb Stunden Hunger leiden.
Ganz unterschiedlich sind übrigens auch die Menschen, die das Wägelchen ziehen. Einige rasen mit gesenktem Kopf und zusammengebissenen Zähnen durch den Zug, als wollten sie die Lokomotive überholen. Sie verkaufen so gut wie nichts. Andere machen mit Charme und Freundlichkeit ganz schöne Umsätze. So auch jener Schwarze, der eines Morgens sein Angebot mit afrikanischer Fröhlichkeit verkündete: «Kaffee, Bier und frische Gefühle!» Erst beim dritten Mal verstand ich, was er meinte: «frische Gipfeli!»
23. August 2010
Gesetz, nicht Wurst
«Wer weiss, wie Gesetze und Würste gemacht werden, kann nachts nicht mehr ruhig schlafen.» An diese Erkenntnis Otto von Bismarcks erinnerte heute auf Twitter Rechtsanwältin Alexandra Braun aus Hamburg. Das wegen der gestörten Schlafesruhe mag noch immer zutreffen. Für die Metzger indes hat sich einiges verändert seit Bismarcks Zeiten. Wer heute Würste fabriziert, dem schauen Ämter und Konsumentenschützer gehörig auf die Finger und den Wurstinhalt. Nur wer Gesetze macht, darf weiterhin munter und ungestraft wursteln.
22. August 2010
Trauriger Haufen
Wer anschauliche Beispiele für schlechte Öffentlichkeitsarbeit sucht, wird bei der Justiz regelmässig fündig. Das gilt offensichtlich nicht nur für die Schweiz, wie ich vergangene Woche in Luxemburg feststellen konnte. Da findet sich mitten in der malerischen Altstadt ein total heruntergekommenes und seit geraumer Zeit von guten wie schlechten Geistern verlassenes Gebäude. Sein Zustand ist baufällig und vor dem Portal wurde Müll aufgehäuft - darunter anscheinend der rote Teppich aus besseren Zeiten. Über dem Portal prangt unübersehbar der Schriftzug PALAIS DE JUSTICE.
Mir sind die Hintergründe dieser Hinterlassenschaft nicht bekannt. Vielleicht war der himmeltraurige Eindruck, den die Justiz da hinterliess, tatsächlich aus irgend einem Grund nicht zu vermeiden. Dann aber hätte auch ein nur rudimentär entwickler Sinn für Public Relation es geboten, wenigstens den Schriftzug PALAIS DE JUSTICE abzudecken...
Mir sind die Hintergründe dieser Hinterlassenschaft nicht bekannt. Vielleicht war der himmeltraurige Eindruck, den die Justiz da hinterliess, tatsächlich aus irgend einem Grund nicht zu vermeiden. Dann aber hätte auch ein nur rudimentär entwickler Sinn für Public Relation es geboten, wenigstens den Schriftzug PALAIS DE JUSTICE abzudecken...
18. August 2010
Nomen est omen
Das Schweizerische Bundesgericht residiert im Park Mon Repos und muss sich deswegen gar manche spitze Bemerkung über das Amten in eigener Ruhe gefallen lassen. Heute habe ich bei einem Kurzbesuch in Luxemburg schmunzelnd festgestellt, dass die dortige Justiz auf dem Plateau du St. Esprit tätig ist. Wüsste natürlich rasend gerne, wie viel Einfluss der Heilige Geist deswegen auf die luxemburgische Rechtsprechung hat.
Nicht minder sinnig erschien mir der Hinweis, dass der Zugang zum luxemburgischen Ordre des Avocats über die Rue de la Monnaie führt.
Nicht minder sinnig erschien mir der Hinweis, dass der Zugang zum luxemburgischen Ordre des Avocats über die Rue de la Monnaie führt.
17. August 2010
Im alten Rom
Mir graut vor touristischen Führungen und Besichtigungen. Es muss schrecklich sein, in geballter Menschenmasse hinter einem den Regenschirm schwingenden oder historisch verkleideten Fremdenführer her zu schreiten und sich Erläuterungen anzuhören, die stimmen können oder auch nicht. So verpasse ich auf meinen Reisen die meisten Sehenswürdigkeiten, denn selber tauge ich als Führer höchstens in der Sparte Gastronomie.
Heute allerdings liessen wir uns ausnahmsweise fachkundig führen - zurück ins Reich der alten Römer. Nicht in einer Gruppe, sondern nur meine Frau und ich. Angeboten wird der Service von Chris, einer Kunsthistorikerin und Archäologin vor Ort, die aus dem alten Rom erzählt, als hätte sie dort gelebt. Vorgesehen waren zwei Stunden, tatsächlich waren es deren vier, die allerdings so schnell vergingen wie eine einzige. (Stadtführung nach Mass)
Chris hatten wir übrigens durch Twitter kennen gelernt. Bei einer Flasche Mosel-Wein nach der Führung stellten wir fest, dass alle drei zum ersten Mal einem Twitter-Freund im wirklichen Leben begegnet sind.
Heute allerdings liessen wir uns ausnahmsweise fachkundig führen - zurück ins Reich der alten Römer. Nicht in einer Gruppe, sondern nur meine Frau und ich. Angeboten wird der Service von Chris, einer Kunsthistorikerin und Archäologin vor Ort, die aus dem alten Rom erzählt, als hätte sie dort gelebt. Vorgesehen waren zwei Stunden, tatsächlich waren es deren vier, die allerdings so schnell vergingen wie eine einzige. (Stadtführung nach Mass)
Chris hatten wir übrigens durch Twitter kennen gelernt. Bei einer Flasche Mosel-Wein nach der Führung stellten wir fest, dass alle drei zum ersten Mal einem Twitter-Freund im wirklichen Leben begegnet sind.
14. August 2010
Who to follow
Wie viele andere auch, nervt mich seit einigen Tagen der neue Hinweis «Who to follow» auf meiner Twitter-Seite. Darin werden einem - in stündlichem Wechsel - die Namen von Twitterern vorgeschlagen, denen man folgen sollte. Als mir gestern der bekannte Autor und Kabarettist Victor Giacobbo vorgeschlagen wurde, setzte ich den folgenden Tweet ab:
felnzzAug 13, 11:06am via Web
Und soeben an meiner morgendlichen Multitasking-Sitzung mit elektrischer Zahnbürste (links) und SmartPhone (rechts) auf dem Klo, las ich in meiner Timeline:
viktorgiacobboAug 13, 10:29pm via Web
Ob er auch von «Who to follow» belästigt wurde, oder auf Umwegen von meinem Fluch an Twitters Adresse vernommen hat, weiss ich (noch) nicht. Aber eines muss ich mir merken: Auch die lästigste und scheinbar dümmste Funktion in einem elektronischen System kann offenbar bisweilen etwas taugen...
felnzzAug 13, 11:06am via Web
Das blöde Whotofollow sagt vier Mal am Tag, ich soll @viktorgiacobbo folgen. Soll doch der zuerst einmal mir folgen... ;-)
Und soeben an meiner morgendlichen Multitasking-Sitzung mit elektrischer Zahnbürste (links) und SmartPhone (rechts) auf dem Klo, las ich in meiner Timeline:
viktorgiacobboAug 13, 10:29pm via Web
@felnzz Bitte sehr
Ob er auch von «Who to follow» belästigt wurde, oder auf Umwegen von meinem Fluch an Twitters Adresse vernommen hat, weiss ich (noch) nicht. Aber eines muss ich mir merken: Auch die lästigste und scheinbar dümmste Funktion in einem elektronischen System kann offenbar bisweilen etwas taugen...
13. August 2010
Zu viel und doch zu wenig
Die Privatsphäre gehört geschützt, soweit das sinnvoll ist. Das gilt auch für Gerichtsurteile, die auf Internet gestellt werden. Ob es in jedem Fall sinnvoll ist, die Namen privater Personen durch Buchstaben zu ersetzen, mag offen bleiben. Geradezu unsinnig ist es nicht. Wird aber wie unlängst in einem Urteil des Bundesgerichts der Name eines Unternehmens abgedeckt, das im bündnerischen Vals einen Steinbruch betreibt, dann ist das nicht Unsinn, sondern qualifizierter Unsinn. Ein grossflächiger Gesteinsabbau an einem Berghang kann einfach kein privater oder gar intimer Vorgang sein.
Neckisches Detail: Im gleichen Urteil ist der Name einer Privatperson zumindest an einer Stelle nicht abgedeckt worden. Ein Versehen, aber kein Unglück, weil es sich um eine engagierte Beschwerdeführerin handelt, die ohnehin in der lokalen Presse namentlich von sich Reden macht. Das Beispiel zeigt aber einmal mehr, dass es gescheiter wäre, nur zu anonymisieren, was wirklich anonymisiert werden muss. Das dafür aber konsequent und lege artis. Das Bundesgericht verhält sich hier aber leider ähnlich wie der Vatikan: Es wird viel zu viel geheim gehalten und doch zu wenig!
Neckisches Detail: Im gleichen Urteil ist der Name einer Privatperson zumindest an einer Stelle nicht abgedeckt worden. Ein Versehen, aber kein Unglück, weil es sich um eine engagierte Beschwerdeführerin handelt, die ohnehin in der lokalen Presse namentlich von sich Reden macht. Das Beispiel zeigt aber einmal mehr, dass es gescheiter wäre, nur zu anonymisieren, was wirklich anonymisiert werden muss. Das dafür aber konsequent und lege artis. Das Bundesgericht verhält sich hier aber leider ähnlich wie der Vatikan: Es wird viel zu viel geheim gehalten und doch zu wenig!
12. August 2010
Überholte Satire
Difficile est satiram non scribere (es ist schwierig, darüber keine Satire zu schreiben), sagte ich mir, als ich von den paranoiden Reaktionen auf Googles Street View las. Zunächst vor Monaten schon in der Schweiz, und jetzt in gesteigertem Mass in Deutschland. Als Pointe der Satire schwebte mir vor, dass die auf Intimität beharrenden Gegner sich protestierend der lokalen Journaille zum Fototermin stellen. Doch es wird nichts. Satiram scribere impossibile est (eine Satire zu schreiben, ist unmöglich), denn die Wirklichkeit hat meine böseste Phantasie überholt. Sie posieren nicht nur zum Fototermin. Sie posieren vor der eigenen Hausfront zum Fototermin. Und das Ganze steht mit ihren vollen Namen auf Internet! Wie vieles ist doch gut, solange nicht Google drauf steht...
11. August 2010
Türe zu
Morgen Donnerstag wird das Bundesgericht in Lausanne fünfzehn neue Urteile veröffentlichen. In drei Verfahren werden die Beschwerden abgewiesen. In zwölf Fällen tritt das Bundesgericht überhaupt nicht auf die Sache ein. Das Zahlenverhältnis ist sicher nicht repräsentativ für das ganze Jahr. Das Resultat der Stichprobe ist indes symptomatisch, zumindest für den Standort Lausanne, wo die Tür den Rechtsuchenden auch statistisch nachweisbar zunehmend aus formaljuristischen Gründen verschlossen bleibt.
Faktisch hat das Bundesgericht damit weit gehend ein Annahmeverfahren eingeführt, wie es Gesetzgeber und Volk wohl nie akzeptiert hätten. Wo dem Richter eine Suppe nicht schmeckt, findet er zumeist ein formales Haar darin, um sie wegschütten zu können. Und wo der Richter einmal Hand anlegen will, sucht er ebenso eifrig nach Wegen, um trotz formellen Mängel auf die Sache eintreten zu können. Man kann das gut finden oder schlecht finden. Stattfinden tut es allemal.
Faktisch hat das Bundesgericht damit weit gehend ein Annahmeverfahren eingeführt, wie es Gesetzgeber und Volk wohl nie akzeptiert hätten. Wo dem Richter eine Suppe nicht schmeckt, findet er zumeist ein formales Haar darin, um sie wegschütten zu können. Und wo der Richter einmal Hand anlegen will, sucht er ebenso eifrig nach Wegen, um trotz formellen Mängel auf die Sache eintreten zu können. Man kann das gut finden oder schlecht finden. Stattfinden tut es allemal.
10. August 2010
Number one ?
Heute erfuhr ich im Zug nach Lausanne, dass ich für die vergangene Woche als Nummer eins in den Swiss Twittercharts gelistet bin. Das würde eigentlich heissen, dass ich während dieser sieben Tage, der relevanteste Teilnehmer der Schweizer Twitter-Szene war. Dass ich das nicht war, weiss ich selber am besten. Und dass es nicht mein Ziel ist, möglichst viel oder gar ausschliesslich Relevantes zu twittern, weiss jeder, der meine Tweets liest.
Wichtiges und Interessantes zu vermitteln ist sicher eine Möglichkeit von Twitter. Es können aber auch ganz einfach soziale Kontakte gepflegt und neue geknüpft werden. Eine weitere Option ist der fachliche Gedankenaustausch - in meinem Fall unter Juristen - auch über Landesgrenzen hinweg. Und schliesslich eignet sich Twitter auch für etwas, das ich nur in Schweizerdeutsch präzis umschreiben kann: "geistig Sändele". Persönlich nutze ich alle diese Möglichkeiten sehr intensiv und mit Genuss. Dabei habe ich offenbar in der vergangenen Woche die (rein quantitativen) Kriterien für den ersten Rang in den Swiss Twittercharts erfüllt. Mit meiner Bedeutung als Twitterer hat das aber nichts zu tun. Das mag zum einen an den - nicht transparenten ! - Kriterien selbst liegen, die zur Folge haben, dass eindeutig relevantere Twitterer als ich es nie auch nur in die TopTens schaffen. Es hat zum anderen aber vor allem mit Twitter selbst zu tun. Das Medium ist zu offen und zu eigendynamisch, als dass sich darin in relevanter Weise Relevanz messen liesse. Und genau darum liebe ich Twitter!
Wichtiges und Interessantes zu vermitteln ist sicher eine Möglichkeit von Twitter. Es können aber auch ganz einfach soziale Kontakte gepflegt und neue geknüpft werden. Eine weitere Option ist der fachliche Gedankenaustausch - in meinem Fall unter Juristen - auch über Landesgrenzen hinweg. Und schliesslich eignet sich Twitter auch für etwas, das ich nur in Schweizerdeutsch präzis umschreiben kann: "geistig Sändele". Persönlich nutze ich alle diese Möglichkeiten sehr intensiv und mit Genuss. Dabei habe ich offenbar in der vergangenen Woche die (rein quantitativen) Kriterien für den ersten Rang in den Swiss Twittercharts erfüllt. Mit meiner Bedeutung als Twitterer hat das aber nichts zu tun. Das mag zum einen an den - nicht transparenten ! - Kriterien selbst liegen, die zur Folge haben, dass eindeutig relevantere Twitterer als ich es nie auch nur in die TopTens schaffen. Es hat zum anderen aber vor allem mit Twitter selbst zu tun. Das Medium ist zu offen und zu eigendynamisch, als dass sich darin in relevanter Weise Relevanz messen liesse. Und genau darum liebe ich Twitter!
6. August 2010
Privileg der Kurzlebigkeit
Fünfzig Millionen habe der Staat durch den Kauf von Impfstoff gegen die Vogelgrippe verschwendet, titelt heute eine Schweizer Zeitung. Tatsächlich vermeldet wird, dass die Haltbarkeit der damals vorsorglich beschafften Produkte nun ausläuft.
Mag sein, dass die Bürokraten der Weltgesundheitsorganisation damals hyperventiliert haben. Was aber wäre passiert, wenn die Regierung nichts vorgekehrt hätte und es zur Pandemie gekommen wäre? Die gleiche Presse hätte der Regierung Verantwortungslosigkeit oder Schlimmeres vorgeworfen und nach dem Rücktritt der Verantwortlichen geschrien. Und wer erinnert sich noch daran, dass damals der Regierung vorgeworfen worden war, sie habe zu spät und zu wenig Impfstoff geordert.
Medienspektakel und deren Schlagzeilen sind derart kurzlebig, dass sie sich nicht daran messen lassen üssen, was früher gesagt wurde. Oder später gesagt wird. Oder gesagt worden wäre, wenn...
Mag sein, dass die Bürokraten der Weltgesundheitsorganisation damals hyperventiliert haben. Was aber wäre passiert, wenn die Regierung nichts vorgekehrt hätte und es zur Pandemie gekommen wäre? Die gleiche Presse hätte der Regierung Verantwortungslosigkeit oder Schlimmeres vorgeworfen und nach dem Rücktritt der Verantwortlichen geschrien. Und wer erinnert sich noch daran, dass damals der Regierung vorgeworfen worden war, sie habe zu spät und zu wenig Impfstoff geordert.
Medienspektakel und deren Schlagzeilen sind derart kurzlebig, dass sie sich nicht daran messen lassen üssen, was früher gesagt wurde. Oder später gesagt wird. Oder gesagt worden wäre, wenn...
fel.
4. August 2010
Gottes Ebenbild?
Ich hatte heute Morgen auf Twitter eine Bemerkung von @denkwaise aufgegriffen, die sich beim Blick in den Spiegel fragte, wie schmeichelhaft es für den lieben Gott sein könne, dass sie als sein Ebenbild gelte.
@verteidigung meinte hierauf, das sei eine Mischkalkulation. Ich müsse mein Konterfei mit dem von Brigitte Bardot vermengen, dann gehe die Rechnung auf. Ich hab das jetzt gemacht, bin aber nicht ganz sicher, ob der Schöpfungskompromiss - so @FlohEinstein - dem lieben Gott viel besser gefällt.
fel.
3. August 2010
Ironie ?
In geschriebenen Texten Ironie zu erkennen, ist nicht immer leicht. Ganz besonders, wenn man den Schreibenden nicht (gut) kennt. Das gilt noch mehr für Twitter, wo die Begrenzung auf 140 Zeichen die Kommunikation zusätzlich erschwert.
Doch im wirklichen Leben ist es vielfach nicht einfacher - selbst und gerade, wenn man eine Person sehr gut kennt. Das musste meine Mutter erfahren, als ich etwa zwölf Jahre alt war. Ein Landwirt rief an und teilte mir mit, meine Mutter könne die bestellten Kirschen nicht abholen, weil Krähen die ganze Ernte vernichtet hätten. Als meine Mutter nach dem Mittagessen den Autoschlüssel suchte, fragte ich scheinheilig, wohin sie denn gehe. Sie sagte: Kirschen holen. Ich sagte: du brauchst nicht zu gehen, wurde alles von den Vögeln gefressen. Sie ging doch und merkte erst auf dem Bauernhof, dass die ihr bestens bekannte Ironie ihres Sohnes für einmal keine gewesen war.
fel.
2. August 2010
Urlaub in Schland
Fast sechzig Jahre alt wurde ich, bevor ich das erste Mal in Deutschland länger Urlaub machte. Zugegeben mit einem kurzen Unterbruch für einen kleinen chirurgischen Eingriff und die Beschaffung eines neuen Smartphones in der Heimat.
Dabei habe ich mich ganz gut angefreundet mit diesem Schland. Nicht mit der einheimischen roten Rebsorte. Mit der kann ich ebenso wenig wie mit der weissen Schweizer «Königsrebe» Chasselas. Und die badische Küche ist zwar lecker, aber für eine tägliche Applikation etwas gehaltvoll. Wir ernährten uns daher vorwiegend beim Italiener und beim Türken, deren Weine mit uns kompatibler sind. Grossartig fand ich das Angebot an Radwegen und Bieren, und auch mit schönem Wetter knauserten sie nicht die vergangenen zwei Wochen. Revidiert habe ich schliesslich auch meine Meinung über das grosse D auf den Autos. Das stehe wohl für Dichter und Denker, aber sicher nicht für Dienstleister, meckerte ich jeweilen bei Kurzbesuchen im vergangenen Jahrhundert. Ab sofort erhält zumindest das Breisgau von mir auch das dritte D !
fel.
Abonnieren
Posts (Atom)



