Unfreiwilliger Humor oder kreative Juristerei? Das Bundesgericht erfindet den Rechtsprung... (Urteil 1B_98/2013 E.2.1)
— Markus Felber (@Frechgeist) 27. Mai 2013
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27. Mai 2013
Wenn Recht springt
(Twitterecho)
25. Mai 2012
Mixer oder Mixerin?
Keiner spricht von einer Mixerin, bloss weil es sich um eine Maschine handelt, und eine Maschine nun einmal weiblichen Geschlechts ist. Ist aber der Richter eine Frau, spricht schier männiglich von Richterin. Es galt einmal als modern, und einige glauben heute noch, es fördere die Emanzipation. Die einen verwenden die weiblichen Formen aus innigster Überzeugung. Andere plappern eher mechanisch so, wie jene Fastnachtsgruppe in der Innerschweiz, die per Inserat Mitglieder und Mitgliederinnen suchte. Und im Bundesgericht war vor vielen Jahren einmal in öffentlicher Urteilsberatung von Krankenschwesterinnen und Krankenschwestern die Rede.
21. Oktober 2011
Giulia
Giulia soll es also heissen, das Baby des französischen Staatspräsidenten. Ein sehr schöner Name, allerdings ein italienischer. Und das macht mich stutzig. Denn Frankreichs Sprachengesetz schreibt für alle Stadien des Vertriebs von Gütern, Produkten und Dienstleistungen zwingend den Gebrauch der französischen Sprache vor. Ob das generell auch für die Benennung von Kindern gilt, ist zwar fraglich. Die kleine Julia indes ist ohne Zweifel für den Einsatz in der bevorstehenden Kampagne um Sarkozys Wiederwahl als Staatspräsident gezeugt worden. Und dabei geht es ganz offensichtlich um den Vertrieb von Dienstleistungen. Folglich müsste das Wahlkampf-Maskottchen von Gesetzes wegen den französischen Namen Julie tragen. Wenn Sarkozy sie trotzdem auf den italienischen Namen Giulia tauft, bricht er das Recht. Zugute halten kann man ihm nur, dass es ein dummes Gesetz ist, um das er sich futiert.
1. Juli 2011
Wow!
In einem mehrsprachigen Land wie der Schweiz ist es alltäglich, dass in Radio- und Fernsehbeiträgen Personen zu Wort kommen, die eine fremde Sprache sprechen. In Deutschschweizer Medien wird in der Regel zunächst der Originalton gesendet, und danach in indirekter Rede übersetzt.
26. Mai 2011
Sprachlicher Optimismus
«Aktuell kann es in der ganzen Schweiz zu Störungen im mob. Datenverkehr kommen», meldete soeben @Swisscom_Care über Twitter. Tönt eigentlich eher harmlos, denn zu Störungen kommen kann es immer. Der französische und der italienische Text sprechen da allerdings eine andere Sprache und sagen klar, dass der Datenverkehr «est actuellement impossible dans toute la Suisse» / «non è possibile in tutta la Svizzera».
22. Mai 2011
Frosch und Vogel
20. Mai 2011
Emanzinnen
Nach meinem Kalenderblatt vom 2. Mai 2011 über den General musste ich mir sagen lassen, dass ich von weiblicher Emanzipation in der Sprache nicht viel begriffen habe. Und in der Tat habe ich inzwischen viel dazu gelernt.
24. April 2011
Bügeln mit dem Telefon
Müsste einmal einen Tiefenpsychologen fragen, worauf das zurückzuführen ist. Ich kenne die Ursache nicht, nur das Phänomen. Dass nämlich irgendwo in meinem Unterbewussten sich zwei Begriffe überlagern, die kaum etwas miteinander zu tun haben. Mir geht es so mit Bügeleisen und Telefon. Passe ich nicht
19. April 2011
Im Röstigraben
Eigentlich macht ja der Fluss Saane die Grenze zwischen Deutsch und Welsch bei Fribourg. Oder die Sarine, wie das Gewässer am westlichen Ufer in französischer Sprache heisst. Doch meist spricht man vom Röstigraben, wenn es um die
14. April 2011
Top oder Maulwurf?
Im Strafprozess gegen den Bankier Oskar Holenweger vor Bundesstrafgericht hielt gestern und heute der Staatsanwalt des Bundes sein rund achtstündiges Plädoyer. Dabei geht es in einem Punkt darum, ob der Angeklagte wusste, dass es sich bei dem von einem verdeckten Ermittler übergebenen Geld um Drogengeld handelte. Das behauptet der verdeckte Ermittler,
21. Februar 2011
Fragen
Es gibt Gerichtsurteile, die erscheinen derart unsinnig, dass man sich fragt, ob überhaupt alle mitwirkenden Richter sie gelesen haben. Die Frage liegt im Falle des Schweizerischen Bundesgerichtes wegen der Mehrsprachigkeit umso näher.
Muttersprachliches
Heute ist der internationale Tag der Muttersprache. Und dass der heute ist, ist nichts als logisch. Der könnte nicht gestern gewesen sein, und der könnte nicht morgen sein. Der könnte an überhaupt keinem anderen Tag als heute sein. Denn heute ist
18. Februar 2011
Sprachbarrieren
Das Schweizerische Bundesgericht berät seine Urteile öffentlich, wobei jeder Richter in seiner Muttersprache sprechen darf (Kalenderblatt vom 2. September 2010). Es liegt nahe, dass die Besucher im Gerichtssaal die in ihrer Muttersprache gehaltenen Voten in der Regel besser verstehen als, was in fremder Sprache vorgetragen wird. Zwingend ist das aber nicht, wie ich
16. Februar 2011
Verantwortung im Radio
«Am Mikrofon war Franz X und verantwortlich Franziska Y.» So lauten stündlich und stereotyp die Ansagen und Absagen bei Informationssendungen von Schweizer Radio DRS. Es ist vielleicht eine Déformation professionelle des Juristen, dass er
15. Februar 2011
Verfassungswidriger Plural
Laut Verfassung gibt es in der Schweiz ein, und nur ein Bundesgericht. Wie Regierung und Parlament ist es Verfassungsorgan des Bundes und amtet als «oberste rechtsprechende Behörde» (Art. 188 der Bundesverfassung). Daneben gibt es «weitere richterliche Behörden des Bundes» (Art. 191 der Bundesverfassung), die auf Gesetzesebene etwas irreführend Bundesverwaltungsgericht, Bundesstrafgericht und Bundespatentgericht genannt werden. Die Bezeichnung Bundes...gerichte erweckt den falschen Eindruck, es handle sich
5. Dezember 2010
Zweiter Advent
Heute sei der zweite Advent, lese und höre ich immer wieder. Als ob es mehr als einen Advent gäbe pro Jahr. Gemeint ist natürlich, dass heute der zweite Adventsonntag ist. Wir neigen zu sprachlicher Verkürzung, und das nicht erst seit Twitter und SMS. Tödliche Verkehrsunfälle nehmen immer mehr zu, ist etwa zu lesen. Was aber wirklich zunimmt, das sind nicht die tödlichen Verkehrsunfälle, sondern die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle. Aber das fällt kaum mehr einem auf. Stutzig würden wir vielleicht noch ob der Formulierung: unterernährte Kinder nehmen zu. Vermutlich werden wir uns aber auch daran schon bald gewöhnen – und zwar gleich in doppelter Hinsicht.
12. November 2010
Ausschaf(f)ung
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14. Oktober 2010
Richtersprache
Öffentliche Urteilsberatungen des Bundesgerichts sind bisweilen auch unter sprachlichen Aspekten unterhaltsam. So meinte einer unlängst, er sei «parallel der Meinung, dass...». Ein anderer riet dazu, doch einmal «einen anderen Blickwinkel auf den Fall zu werfen». Und da schon mal geworfen wurde, warf ein dritter eine «Frage vertieft auf», wenn auch ohne zu sagen wie hoch. Gegen Ende der gut einstündigen Beratung schliesslich stellte einer fest, es werde allmählich schwierig, noch etwas zu ergänzen und beschränkte sich auf «vier Bemerkungen».
17. September 2010
HACH
Meine hochdeutschen Twitterfreunde verwenden in zunehmendem Ausmass das Wort «HACH». In allen möglichen Situationen und Zusammenhängen. Oder auch ganz allein. Ein Tweet, der eigentlich aus 140 Zeichen bestehen könnte, enthält nur ein H, ein A, ein C, wieder ein H und vielleicht noch ein ! . Was es bedeutet, wurde mir je länger desto weniger klar. Wer fragt, wird klüger, sagte ich mir heute Morgen. Doch auch nach zahlreichen Antworten von meinen Followern bin ich so klug als wie zuvor. Denn nun habe ich die Wahl: Ein «Ausdruck der Verzückung begleitet von leicht grenzdebilem Grinsen», der «verbale Seufzer des Herzens» oder nur ein «wohlwollendes genussvolles Seufzen»? Vielleicht ein «Ausdruck von Freude und sexueller Erwartungshaltung»? Dazu passend die - von einer Frau stammende - Qualifikation als «frauenspezifische Lautäusserung». Und zum Schluss die vermutlich ehrlichste Antwort: «keine Ahnung, HACH!».
Keine Ahnung habe ich im Übrigen, wie das Pendent in Schweizerdeutsch lautet. Vielleicht GOPF ? Oder je nach Kanton ganz unterschiedlich?
Keine Ahnung habe ich im Übrigen, wie das Pendent in Schweizerdeutsch lautet. Vielleicht GOPF ? Oder je nach Kanton ganz unterschiedlich?
16. September 2010
Arglose Kuh
Da wurde unlängst über den Prozess gegen einen Bauern berichtet, der wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt worden war, nachdem seine Kuh eine wandernde Frau in den Rücken gestossen und verletzt hatte. Die nächste Instanz hob den Schuldspruch dann aber wieder auf. Die Kuh habe offensichtlich spielen wollen, weshalb der Bauer keine Veranlassung gehabt habe, sie wegzusperren. Soweit tönt der Bericht aus dem Gerichtssaal durchaus plausibel. Was indes der gedacht hat, der darüber den Titel «Kuh hat Wanderin nicht absichtlich verletzt» setzte, bleibt rätselhaft.
Weil die Kuh nicht absichtlich handelte, kann der Bauer nicht wegen fahrlässiger Körperverletzung bestraft werden. Oder böte da einmal mehr der Eventualvorsatz einen eleganten Ausweg?
Weil die Kuh nicht absichtlich handelte, kann der Bauer nicht wegen fahrlässiger Körperverletzung bestraft werden. Oder böte da einmal mehr der Eventualvorsatz einen eleganten Ausweg?
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