9. Mai 2011

O. K. K.

Akkreditiert als Journalist am Schweizerischen Bundesgericht wurde ich im Februar 1981, wie ich schon angemerkt habe in einem Kalenderblatt. Tatsächlich angefangen habe ich den Job dann irgendwann im Mai vor dreissig Jahren. Es ging um eine Schadenersatzklage gegen die Eidgenossenschaft, die von der II. Öffentlichrechtlichen Abteilung beurteilt wurde.

Ich wartete links oberhalb der grossen Treppe in der Halle auf den Beginn der Verhandlung, als gegenüber auf der rechten Seite der Kammerpräsident Otto K. Kaufmann in seiner vollen Grösse aufmarschierte. Er stoppte seinen rasanten Gang abrupt, als er meine ihm unvertraute Gestalt wahrnahm, und beorderte einen Weibel zu sich. Dieser hörte sich die präsidiale Weisung an und bewegte sich gemessenen Schrittes auf die andere Seite der Treppenhalle, wo ich stand. Der Herr Präsident Kaufmann wünsche mich zu sprechen, beschied er mir und forderte mich auf, ihm zu folgen, zurück auf die Gegenseite der Halle. Dort stellte der legendäre O.K.K sich vor und erklärte mir mit freundlicher, aber bestimmter Stimme gewissermassen den Tarif des Hauses. Dass es insbesondere gar nicht gerne gesehen werde, wenn die Namen von Richtern oder Parteien in der Zeitung stünden. Um sogleich schelmisch lachend beizufügen, dass in der Schweiz bekanntlich Pressefreiheit gelte, und ich daher schreiben könne, was ich wolle.

Aus der kurzen Begegnung wurde eine freundschaftliche Beziehung zu einer grossartigen Persönlichkeit. Dank seiner Offenheit lernte ich unglaublich viel von ihm über die Arbeit des Richters. Und Otto Konstantin Kaufmann verstand mehr von der Tätigkeit der Journaille als irgend ein anderer, der nach ihm kam. Mehr als einmal in den ersten Jahren meiner Tätigkeit stellte der alte Richter sich schützend vor den jungen Journalisten, wenn es an Respekt vor der Pressefreiheit mangelte.

Kommentare:

  1. Lieber Herr Felber, ich gratuliere ganz herzlich zum Jubiläum. Ich freue mich immer wieder über Ihre treffenden Kommentare in der NZZ (die besten Überschriften für Urteilshinweise, die ich je gesehen habe) und die Kalenderblätter!

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  2. Danke, danke. Nach dreißig Jahren sollte ich es ja auch halbwegs können... ;-)

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  3. Lieber Markus, herzliche Gratulationen!

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