5. Januar 2011

Fleischkäse tut weh

Fleischkäse sagen wir Deutschschweizer. In der Westschweiz heisst er Italienerkäse (fromage d'Italie). Und in München, wo er im 18. Jahrhundert vom Bayrischen Kurfürsten Karl Theodor und seinen aus Mannheim mitgebrachten Metzgern kreiert wurde, heisst er Leberkäs. Da das Produkt jedoch in der Regel weder Leber noch Käse, aber immer Fleisch enthält, wäre laut Wikipedia die Schweizer Bezeichnung Fleischkäse der treffendere Begriff.

Wenn ich im Restaurant die Speisekarte studiere und nach wenigen Sekunden schon wieder auf den Tisch lege, sagt meine Frau: «Aha, es gibt Fleischkäse!» Sehr oft ist das in der Schweiz leider nicht der Fall, denn der Fleischkäse gilt als mindere Ware oder Filet für Arme. Ich allerdings lasse dafür jedes Filet für Reiche links liegen und wähle den Fleischkäse, sofern es ihn gibt auf der Speisekarte. In München gibt es ihn nicht nur auf den meisten Speisekarten, sondern auch noch in jeder zweiten Strasse zum Mitnehmen in einer Semmel. Wie viel ich davon ass, zwischen Weihnacht und Silvester in München, weiss ich nicht. Ich hielt mich an Konstantin Weckers «Genug ist nicht genug!». Normalerweise setzt die Natur mir Schranken, indem mein Gichtgelenk im rechten Fuss sich bemerkbar macht. Dieses Mal hatte ich harnsäuresenkende Medikamente dabei und hielt bis zum Schluss durch. Heute Nacht allerdings hat die Gicht mich eingeholt. Und ich werde wohl eine Woche lang teuer bezahlen für meine Völlerei.

Die letzten drei Portionen davon erstand ich übrigens bei Vinzenzmurr am Münchner Hauptbahnhof. Als ich im Zug nach Zürich genüsslich in die erste Semmel biss, stillte im Abteil nebenan eine Mutter ihr Kind. Da fiel mir auf einmal die frappante Ähnlichkeit auf - rein farblich natürlich - zwischen Mutterbrust und Leberkäs. Und seither frage ich mich, ob ich vielleicht zu wenig vom einen erhielt und mich nun am anderen schadlos halte. Ob die Diagnose stimmt, und welches die adäquate Therapie wäre, bleibe dahingestellt. Denn geheilt werden will ich ja gar nicht von meiner Gier.

Kommentare:

  1. Essen Sie bloß Leberkäs oder gerne auch Käseleberkäs? Letzterer ist der mit Käsestücken drin und daher noch viel gesünder als der "gemeine Leberkäs"! Und wie heißt jener dann in der Schweiz? Ich kann mich bei den Wiener Würstelständen jedenfalls kaum zurückhalten! Also dann Mahlzeit!

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  2. Käseleberkäse kenne ich nicht. Muss ich unbedingt probieren, doch glaube ich nicht, dass es das in der Schweiz gibt. Selber herstellen oder eine Reise tun? Das ist jetzt die Frage!

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  3. @ Dagmaer Sporck:
    Herrlich? der Fleischkäse oder der Post? ;-)

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  4. Gott sei Dank befindet sich im EG meines Büros ein Fleischkäs-Dealer - nach diesem Bericht verspüre ich die unbändige Lust selbigen aufzusuchen.

    Für kulinarische Reisen in Sachen Fleischkäse, empfehle ich einen Besuch in Linz (Ö). Dort bietet sich der Besuch des "Leberkas-Pepi" (http://www.leberkaspepi.at)an. Beim Leberkas-Pepi gibt es Fleischkäse aller Art und von bester Qualität. Und sollte Sie dann der Schmerz einholen, können Sie ihre Ernährung beim "Warmen Hans" (http://wuerstelstandwarmerhans.gemeindeausstellung.at/) auf Würstl umstellen.

    Mahlzeit!

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  5. Die kulinarische Reise drängt sich immer mehr auf...

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  6. Du sprichst mir aus der Seele! Was die Liebe zum Fleischkäse betrifft und auch in Bezug auf die Rache von Seiten der Arthritis nach übermässigem Genuss.

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