31. Mai 2010

Respekt



Zugegeben, wir Schweizer sind vielleicht etwas zu zimperlich im Umgang mit Amts- und Würdenträgern. Und gleich vorweg: wie unsere Nachbarn im Norden mit ihrem Staatsoberhaupt umgehen, geht uns nichts an.


Kritik an Inhabern öffentlicher Ämter muss sein. Man kann sich fragen, ob die in den vergangenen Tagen an Horst Köhler geübte Kritik zu hart, zu unfair war. Oder ob vielmehr er mit seiner Demission zu empfindlich reagiert hat. Was aber nach dem Rücktritt in Blogs und anderswo auf Internet an Spott, Häme und Perfidie über das deutsche Staatsoberhaupt gegossen wurde, hat mich sehr betroffen gemacht. Die Frage stellt sich, ob durch so viel Mangel an Respekt nicht auch das Amt selbst beschädigt wird.
fel.

Kommentare:

  1. Das Amt und auch das Staatssystem...es fängt schon im Kleinen an und auf einmal fragen sich alle, warum denn heute niemand mehr Gemeinderat werden will...

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  2. Ich glaube weniger, dass das Amt durch Spott und Häme beschädigt werden kann. Vielmehr hat Köhler wohl selbst diesem Amt durch seinen Rücktritt als "majestätsbeleidigte Leberwurst" nachhaltigen Schaden zugefügt ...
    LG
    Thorsten Kneuer

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  3. Herr Kneuer, ist es nicht so, dass wir durch die stetige Kritik an unseren Bundesräten und dem Parlament (auch der Justiz) -mögen sie noch so fehlerhaft sein- unsere eigene Demokratie zerstören? Durch mangelhaftes Erkennen von Zusammenhängen zwischen Politik, In- und Ausland, Wirtschaft etc.? Ich würde jedenfalls kein solches Amt ausführen wollen, da man ohnehin immer nur "de Dubel" der Nation ist...

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  4. Leider vergessen wir immer wieder, dass diese Ämter von Menschen ausgeübt werden, die einen Anspruch auf Würde, auf Privatsphäre und auch auf menschliche Schwächen haben. Wir haben uns angewöhnt andere als vogelfrei anzusehen, nur weil sie ein öffentliches Amt bekleiden. Kritik kann und muss ein, aber es gibt menschliche Grenzen, wie weit dabei jemand auch persönlich angegriffen werden darf. Wir vergessen das oft und ich persönlich kann Herrn Köhler gut verstehen. Es passiert ja schon im Kleinen, denn selbst in der Kommunalpolitik muss man heute in Kauf nehmen, dass man nicht nur selbst in einer Art angegriffen wird, die weit über die Sache hinausgeht, auch die Familie muss manchmal ganz schön einstecken...
    Ich finde, dass vor allem die Schreiber solcher Häme sich selbst beschädigen, denn wer erhebt sich so über andere, negiert seine eigenen Schwächen und masst sich an Richter zu sein? Die ganze Geschichte zeigt sehr deutlich, wie dringend wir eigentlich über unsere politische und gesellschaftliche Kultur des Umgehens miteinander nachdenken müssten...

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  5. Gerade gestern hab ich den Satz gehört "Solange ich selber Fehler begehe, richte ich nicht über andere"

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