23. Februar 2011

copy/paste

Wer im Glashaus sitzt, sollte aufpassen, an welcher Körperstelle er sich kratzt. Und wer - bisweilen leidenschaftlich - twittert, muss sehr auf der Hut sein, um keinen Spruch zu landen, der nicht wenigstens teilweise auf seinem Mist gewachsen ist. Ich bin da noch nach altem Muster gestrickt, und habe schon Twitterer
entfolgt, weil sie ohne «RT» wortwörtlich einen Tweet wiederholten, den ich eine halbe Stunde zuvor von einem anderen in meiner TL gelesen hatte.

Vielleicht ist meine Strenge nicht mehr zeitgemäss. In einer Diskussion auf Facebook musste ich mir unlängst sagen lassen, copy/paste ohne Quellenangabe gehe in Ordnung, weil das Kopierte vermutlich auch gestohlen sei. Und die aktuelle Diskussion in Deutschland zeigt, dass selbst eine auf solche Weise zustande gekommene Dissertation dem Ansehen des «Verfassers» wenig schadet, ganz im Gegenteil. Dennoch will ich mich dem Zeitgeist nicht beugen und bleibe für mich und meine kleine Welt dabei, dass allein schon aus Gründen von Anstand und Ehrlichkeit fremde Federn nicht aufs eigne Haupt gehören.

Man muss ja nicht so weit gehen wie das Schweizerische Bundesgericht, das bisweilen seine eigenen Federn nicht auf dem Kopf haben will, solange es sie nicht als fremde deklarieren kann. Obwohl die oberste richterliche Instanz des Landes gewissermassen von Amtes wegen Recht hat, wagt sie es oft nicht, ein eigenes Argument im Urteil zu Papier zu bringen und zu sagen: So ist es, weil ich es sage! Gar manche klug ersonnene Begründung hat so das Licht der Welt nie erblickt, weil sie nicht durch ein passendes Zitat eines Rechtsgelehrten unterlegt werden konnte...

Kommentare:

  1. Man muss ja nicht so weit gehen wie das Schweizerische Bundesgericht, das bisweilen seine eigenen Federn nicht auf dem Kopf haben will, solange es sie nicht als fremde deklarieren kann. Obwohl die oberste richterliche Instanz des Landes gewissermassen von Amtes wegen Recht hat, wagt sie es oft nicht, ein eigenes Argument im Urteil zu Papier zu bringen und zu sagen: So ist es, weil ich es sage! Gar manche klug ersonnene Begründung hat so das Licht der Welt nie erblickt, weil sie nicht durch ein passendes Zitat eines Rechtsgelehrten unterlegt werden konnte...

    Oh.. wo hab ich das her? War zufällig im Zwischenspeicher... erhalt ich das summa cum fraus? (ist auch nicht von mir).. ;-)

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  2. Ja ja, diese Hinterhältigen Zwischenspeicher !

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