12. Dezember 2010

Ich bin Wurstist

Gedanken über Götter und Welten werden angedroht im Ingress zu meinen Kalenderblättern. Bisher ging es vor allem um Weltliches, und die Götter kamen zu kurz. Daher heute einmal etwas zu Goethes Gretchenfrage nach Gott und Religion. Dabei gilt es zu unterscheiden zwischen Gläubigen, Atheisten, Agnostikern und Wurstisten. Der Gläubige ist überzeugt, dass es einen Gott gibt. Der Atheist ist überzeugt, dass es keinen Gott gibt. Der Agnostiker ist überzeugt, dass der Mensch das nicht wissen kann. Und der Wurstist, als den ich mich selber sehe, ist überzeugt, dass die Antwort auf die Gretchenfrage Wurst ist.

Warum ist den Gläubigen die Antwort darauf nicht Wurst? Unter anderem weil sie sich Belohnung nach dem Tod erhoffen und ihr irdisches Verhalten darauf ausrichten. Der Wurstist versucht, sein Leben am eigenen Gewissen auszurichten, weshalb ihm Wurst sein kann, ob er nach dem Verlassen dieses Planeten in ein schwarzes Loch fällt oder in einem Paradies wieder aufwacht. Gewisse Probleme hätte er indes schon mit Letzterem. Hinge nämlich ein Halbmond über dem Paradies, dann blieben ihm die den Märtyrern vorbehaltenen Lustbarkeiten mit den berühmten Jungfrauen versagt, weil er seinem Gewissen folgend, keine Mitmenschen in die Luft gesprengt hat. Er könnte sich aber mit Erinnerungen an sündige Momente seines irdischen Lebens schadlos halten. Und hinge über dem Paradies ein Kreuz, müsste er wohl wie weiland der Engel Aloisius aus München sein Manna trinken und Halleluja singen. Aber auch damit könnt er leben, zumal die wolkigen Sitzgelegenheiten recht bequem aussehen. So oder anders bleibt Wurst, was nach dem Exitus geschieht: Qui vivra verra!

Kommentare:

  1. Brilliant! Passte perfekt zu kanadischem Wildlachs und Moët, so zum Frühstück.

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  2. Es könnte keine bessere Begründung für Religion an sich sowie die ihr innewohnende Mystik geben. Jedes metaphysische Denksystem hat ja seine großen Geheimnisse und lebt vom letzten Dunkel, das sinnlich nicht erfahrbar ist und rational nicht aufzulösen – eine der Eigenschaften, die den Bestandteilen der Wurst intrinsisch anhaftet.

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  3. Die Wurst gehört ja zu jenen Lebensmitteln, von denen niemand wirklich wissen will, was drin ist. Es zählt der Senf, den man dazu gibt. Dann gibt es manche, die den Senf direkt aufs Brot schmieren, was möglicherweise die gesündeste Variante ist.

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