25. August 2013

Doktorspiele

Mein neuer Hausarzt wollte mich zum plastischen Chirurgen schicken, um eine veränderte Hautstelle an der Schläfe entfernen zu lassen. Ich fühle mich aber noch viel zu jung für eine Schönheitsoperation und wollte die Sache auf die lange Bank schieben. Bis ich mit meinem früheren Hausarzt - im Unruhestand wie ich - darüber sprach, der mir anbot, den Eingriff vorzunehmen. Zur Randzeit in der Praxis eines befreundeten Arztes. Da ich seine begnadeten Finger kenne und sich eine massive Kostenersparnis für die Krankenkasse abzeichnete, nahm ich das Angebot an. Vom Unterhaltungswert der Übung wusste ich noch nicht.

Am vergangenen Freitag war es so weit. Mein Schädel war desinfiziert, die zu entfernende Schadstelle war narkotisiert, und die Assistentin reichte dem Doktor die Handschuhe. Diese erwiesen sich indes als erheblich zu klein. So konnte ich mich wieder einmal in aller Ruhe mit meinem alten Freund unterhalten, bis sich in einer anderen Praxis knapp passende Handschuhe für ihn fanden. Dann der erste Schnitt mit dem Skalpell, den ich spürbar wahrnahm, weil die Narkose nicht hielt, was sie sollte. Das musste an der Woche liegen, denn es war mir drei Tage zuvor schon beim Zahnarzt widerfahren. Nachdoppeln schuf Linderung. So konnte der delikate Eingriff weiter gehen, bis es mir unter dem grünen Abdecktuch arg warm wurde, weil die Operationslampe sich selbständig gemacht hatte. Aber auch das Problem liess sich bei offenem Hirn durch koordinierten Einsatz der Operierenden lösen.

Als alles vernäht und der Patient mit Kaffee ins Leben zurückgeholt war, kam mein Einsatz im Doktorspiel. Ich musste die professionell verpackte, frankiert und adressierte Gewebeprobe zur Post bringen. Doch als ich dort eintraf, kam keuchend die Assistentin angerannt, weil irgend was Wichtiges gar nicht im Päckchen war. Dieses wurde also wieder aufgerissen, lege artis befüllt und liess sich aber nicht mehr verschliessen. Für einmal erwies sich nicht die Polizei, sondern die Post als Freund und Helfer und half mit dem erforderlichen Klebeband aus. Und die (erhoffte) Moral von der Gesichte: Nach so vielen Pannen müsste doch nun auch der histologische Befund negativ sein!

1 Kommentar:

  1. Den negativen Bescheid wünschen wir Dir natürlich!

    Gruess,

    Ray

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