24. Januar 2012

Sonnenschein und Kindersegen

Nach zahlreichen fruchtlosen Diskussionen über die Benennung von Sturmtiefs in meinem Umfeld habe ich mich einmal bei Wikipedia schlau gemacht und Folgendes erfahren: Zunächst erhielten Hochdruckgebiete in Europa männliche Namen, und Tiefdruckgebiete wurden nach Frauen benannt. Das machte auch Sinn, bringen Hochdruckgebiete doch meist schönes Wetter, Tiefdruckgebiete dagegen Sturm und Niederschlag. Doch verschiedenen Frauenverbänden passte das nicht, und so machten sie Radau und verschafften sich schliesslich 1998 Gehör. Seither erhalten Tiefdruckgebiete nur noch in geraden Jahren weibliche Vornamen und die Hochdruckgebiete männliche. In ungeraden Jahren wird es umgekehrt gehalten. Ich frage mich jetzt, ob es eigentlich gerecht ist, dass immer Frauen Kindersegen bringen. Sollte man die Sache mit dem Zeugen und Gebären nicht auch alle Jahre tauschen?

17. Januar 2012

Abgeschirmt

Im Innenhof des Bundesgerichts steht ein kleines Gebäude. Mal liebevoll, mal despektierlich Pavillon genannt. Ursprünglich als provisorische Holzbaute geplant zur Überbrückung der Raumnot bis zum grossen Ausbau des Palais. Doch wie so oft, wenn die öffentliche Hand baut, wurde mit der grossen Kelle angerichtet und ein Massivbau hingeklotzt, der stehen blieb.

Heute dient der kleine Saal in der Mitte des Pavillons als Schulungsraum. Die Büros links stehen den Ersatzrichtern zur Verfügung; und diejenigen auf der rechten Seite der Journaille. Eigentlich ganz schöne Räume, in die allerdings kein Sonnenstrahl zu dringen vermag. Noch schlimmer ist, dass die dicken Gemäuer auch Mobilfunkstrahlen weitgehend abschirmen. Swisscom und Sunrise schaffen ein schlappes EDGE, und mit Orange lässt sich nicht einmal telefonieren. Gemunkelt wird, die drei Telekommunikationsanbieter wollten sich mit der schwachen Berieselung des höchsten Gerichts dafür revanchieren, dass ihnen eben dieses Gericht landauf landab immer wieder eine Reduktion der Sendeleistung verordnet. Falls die Racheabsicht tatsächlich bestehen sollte, schösse sie allerdings sie am Ziel vorbei. Denn in den Richterbüros auf der Sonnenseite des Palais ist der Mobilfunkempfang völlig ausreichend. Fernmeldetechnisch abgenabelt bleibt allein die im Innenhof eingemauerte Journaille.

13. Januar 2012

In den Fängen Justitias

Es passierte nicht heute, hat also mit Freitag dem dreizehnten gar nichts zu tun. Es geschah gestern Abend. Ich war in meinem Büro im Bundesgericht derart in Arbeit vertieft, dass ich die Zeit vergass. Als ich auf die Uhr schaute, war es 18.25, und bis ich das Notebook herunter gefahren, das WLAN ausgeschaltet und einen Spurt in die Eingangshalle hingelegt hatte, war es punkt 18.30. Und ab diesem Zeitpunkt kann ich mit meinem Badge den Palais auf Mon Repos nicht mehr verlassen. Zumindest auf legalem Weg nicht, denn es gibt da im Ostflügel einen Notausgang, den man zwar nicht benutzen darf, aber problemlos kann. Beziehungsweise problemlos benutzen konnte. Denn jetzt ist der Notausgang plombiert, und da ich weder die Feuerwehr noch das Überfallkommando und schon gar nicht die Schweizer Armee alarmieren wollte, entschied ich mich, doch lieber den Hausmeister anzurufen. Doch der antwortete ebenso wenig wie etliche Schreiber und Richter, die ich in der Folge noch vergeblich im Büro anrief. Schliesslich rettet mich eine mir unbekannte Person, die mich aber zu kennen schien, vor dem fast schon sicheren Hungertod. Mit welchem Trick mich mein Retter aus den Fängen Justitias befreite, bleibt allerdings unser Geheimnis.

9. Januar 2012

Rassistischer Anschlag?

Gestern habe ich meine Mutter besucht und dabei wieder einmal die Krippenfiguren meiner Kindheit gesehen. Mein Vater hatte sie vor über sechzig Jahren aus Ton modelliert, und ich habe sie vor rund dreissig Jahren neu bemalt.


Fasziniert haben die Figuren mich allerdings schon bei der allerersten Begegnung an Weihnacht 1952. Ich war damals erst knapp elf Monate alt, weshalb mir wohl noch niemand einen aufrechten Gang zutraute. Meine Grossmutter jedenfalls passte nicht so auf mich auf, wie sie sollte. Ich entfloh ihr, durchquerte auf eigenen Füssen die Stube und schlug einem der heiligen drei Könige den Kopf ab. Es war ausgerechnet der schwarze Caspar, den man damals noch völlig ungeniert den Mohrenkönig nannte. Ein rassistischer Hintergrund kann indes ausgeschlossen werden. Bildmaterial aus meinem Fotoalbum beweist nämlich, dass der gute Caspar offenbar verspätet eingetroffen war und 1952 auf der linken Seite ganz zuhinterst stand. Heuer wäre wohl das Kamel geköpft worden.

5. Januar 2012

Milano

Auf Wunsch einiger Follower auf Twitter hatte ich nach unserem verlängerten Neujahrs-Wochenende in Milano ein Picasa-Album mit ein paar Fotos zusammengestellt. Dafür mindestens 30 Minuten meiner wertvollen Zeit investiert und einzig erreicht, dass Picasa eine Meldung einblendete mit dem Hinweis, ich sei nicht berechtigt, dieses Album anzuschauen. Als ich noch staunte, verschwand das Album vom Bildschirm und ward nie mehr gesehen. Gestern habe ich auf dem Blog meiner Frau entdeckt, dass sich Bilder auch hier präsentieren lassen. Wie alle klugen Ehemänner folge ich dem Beispiel meiner Angetrauten...