27. Februar 2011

Ablass und Fitness

Auch auf Twitter gibt hie und da ein Wort das andere und manchmal gar ein Kunstwerk. Am Anfang stand der folgende Tweet von @zeitweise:

«Fitnessstudios sind moderner Ablasshandel: Anmelden, bezahlen und nie hingehen.»

Der Gedanke inspirierte mich ein paar Stunden später dazu:

24. Februar 2011

Blinder Datenschutz

Heute Vormittag kämpfte der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte vor Bundesverwaltungsgericht vehement dafür, dass in Googles Streetview vorsorglich und lückenlos alle Gesichter und Autokennzeichen verpixelt werden. Und während er so furchtlos gegen Googles Windmühlen focht, blieben hinter seinem Rücken im gleichen Saal Datenschutz, Persönlichkeitsrechte und Öffentlichkeitsgrundsatz auf der Strecke.

23. Februar 2011

copy/paste

Wer im Glashaus sitzt, sollte aufpassen, an welcher Körperstelle er sich kratzt. Und wer - bisweilen leidenschaftlich - twittert, muss sehr auf der Hut sein, um keinen Spruch zu landen, der nicht wenigstens teilweise auf seinem Mist gewachsen ist. Ich bin da noch nach altem Muster gestrickt, und habe schon Twitterer

21. Februar 2011

Fragen

Es gibt Gerichtsurteile, die erscheinen derart unsinnig, dass man sich fragt, ob überhaupt alle mitwirkenden Richter sie gelesen haben. Die Frage liegt im Falle des Schweizerischen Bundesgerichtes wegen der Mehrsprachigkeit umso näher.

Muttersprachliches

Heute ist der internationale Tag der Muttersprache. Und dass der heute ist, ist nichts als logisch. Der könnte nicht gestern gewesen sein, und der könnte nicht morgen sein. Der könnte an überhaupt keinem anderen Tag als heute sein. Denn heute ist

18. Februar 2011

Sprachbarrieren

Das Schweizerische Bundesgericht berät seine Urteile öffentlich, wobei jeder Richter in seiner Muttersprache sprechen darf (Kalenderblatt vom 2. September 2010). Es liegt nahe, dass die Besucher im Gerichtssaal die in ihrer Muttersprache gehaltenen Voten in der Regel besser verstehen als, was in fremder Sprache vorgetragen wird. Zwingend ist das aber nicht, wie ich

Wer ist das?


Immer wieder lustig, worauf die bei Facebook so kommen. Allerdings verstehe ich nicht immer ganz alles. Die Irene Weiersmüller ist meine Nichte, kein Zweifel. Doch wer zum Teufel ist dieser Barak Obama?

17. Februar 2011

Vom Ansehen der Justiz

Für den Präsidenten der österreichischen Richtervereinigung endet jede Meinungsfreiheit, wo das Ansehen der Justiz gefährdet wird. Stein des richterlichen Anstosses war Kritik an der Verhandlungsführung einer Richterin in einem Prozess gegen Tierschützer in Wien (DiePresse.com /via: @michiwoell).

Irgendwie ist mir diese Denkweise vertraut. Vor etlichen Jahren hat mir ein längst verflossener Präsident des

16. Februar 2011

Verantwortung im Radio

«Am Mikrofon war Franz X und verantwortlich Franziska Y.» So lauten stündlich und stereotyp die Ansagen und Absagen bei Informationssendungen von Schweizer Radio DRS. Es ist vielleicht eine Déformation professionelle des Juristen, dass er

15. Februar 2011

Verfassungswidriger Plural

Laut Verfassung gibt es in der Schweiz ein, und nur ein Bundesgericht. Wie Regierung und Parlament ist es Verfassungsorgan des Bundes und amtet als «oberste rechtsprechende Behörde» (Art. 188 der Bundesverfassung). Daneben gibt es «weitere richterliche Behörden des Bundes» (Art. 191 der Bundesverfassung), die auf Gesetzesebene etwas irreführend Bundesverwaltungsgericht, Bundesstrafgericht und Bundespatentgericht genannt werden. Die Bezeichnung Bundes...gerichte erweckt den falschen Eindruck, es handle sich

Teuere Tomaten


Gestern kaufte ich um ein Haar die teuersten Tomaten meines Lebens. Knapp 200 Gramm wogen sie und 88 Franken und 55 Rappen sollten sie kosten. Ein Blick auf den Kilopreis von fast 452 Franken brachte die mathematische Erklärung. Zur Erholung vom Schock durfte ich zuschauen, wie die Waage umprogrammiert wurde. Zwei Dinge habe ich gelernt dank den teuren Tomaten: 1. So eine simple Gemüse-Waage im Supermarkt birgt inwendig ganz schön viel Hightech. 2. Wenn der Preis nur marginal abweicht, merkt das vermutlich kein Schwein.

14. Februar 2011

Valentin

Aus aktuellem Anlass habe ich heute auf Twitter die Frage gestellt, wer denn eigentlich dieser Valentin sei. Hier ein paar der als Antwort darauf oder auch unabhängig davon gelesenen Bemerkungen und Links:

@sinnundverstand:
Tut mir leid, ich kenne diesen Herrn Valentin nicht.

@stadtspatz:
http://de.wikipedia.org/wiki/Valentinstag ;-) !

@Verteidigung:
kommerzieller Schleimer und Frauenversteher

@Rejeka117sBlog:
das war doch ein mönch?!

@Reinholdus:
Soweit ich weiß, ist der Geschäftsführer bei Fleurop.


@kurzdielyrik:
Valentin von Rom - Ökumenisches Heiligenlexikon
http://bit.ly/eli64J

@hasherl:
"Ich kenne keine Furcht, es sei denn, ich bekäme Angst." Karl Valentin

@grekon:
Den gibt's nicht. Das ist eine Sekte. Auf Kommando Blumen...

@Jettlein:
Zum Valentinstag sorgen gerade Geschenke, die Traditionen vermitteln, für eine wohlige Atmosphäre am Herd.
http://twitpic.com/3zn4sp


@fel_ch:
Das ist der Schutzpatron der Floristen und Confiseure !


@denkwaise:
Zum Valentinstag ♥:





13. Februar 2011

Demokratie und Respekt

Heute haben die Schweizer Stimmberechtigten die sogenannte Waffenschutzinitiative abgelehnt, mit der die Dienstwaffen der Armeeangehörigen ins Zeughaus verbannt und ein eidgenössisches Waffenregister geschaffen werden sollten. Für mich selber ist die Armeewaffe im Haushalt weder militärisch notwendig noch aus anderen Gründen von Vorteil. Anderseits vermöchte die Verbannung der Armeewaffe ins Zeughaus kaum einen Konflikt lösen, der auf ein menschliches Drama angelegt ist. Lange Zeit wusste ich deshalb nicht, wie ich abstimmen wollte. Den Ausschlag gegeben hat am Ende meine Allergie gegen Bürokratie, die durch die Initiative weiter aufgebläht worden wäre.

Gerade weil mir der Ausgang der Abstimmung ziemlich wurst war, erlaube ich mir, hier ein paar Grundregeln der direkten Demokratie in Erinnerung zu rufen. Vor dem Urnengang darf hart gefochten und durchaus auch einmal auf die Oberkante der Gürtellinie gezielt werden. Nach der Auszählung muss der Unterlegene den Sieger zwar nicht plötzlich lieben, aber doch immerhin als Mitspieler in der Demokratie respektieren und das Resultat akzeptieren. Den siegreichen Gegner nach dem Urnengang als dumm, böswillig oder minderwertig hinzustellen, ist weder demokratisch noch klug, denn schon bei der nächsten Ausmarchung können die Fronten ganz anders verlaufen. Man kann dem Gegner vorwerfen, er habe viel mehr finanzielle Mittel zur Verfügung gehabt oder mit falschen Zahlen gefochten. Die Mehrheit pauschal als dumm zu beschimpfen dagegen, ist schlechter Stil und undemokratisch.

Politiker in den herkömmlichen Medien halten sich zum Glück weitgehend an diese Regeln. Ganz anders sahen heute die Diskussionen auf Twitter aus. Obwohl da nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt werden kann, wünsche ich mir auch hier von den Verlierern etwas mehr Respekt vor dem Mehrheitsentscheid. Den gleichen Respekt, den sie ihrerseits zu Recht einfordern werden, wenn sie das nächste Mal selber auf der Seite der Sieger stehen.

Neue Follower

Pro Woche klicken sich bei mir auf Twitter wohl rund drei Dutzend neue Follower ein. Doch von dem vermeintlichen Zuwachs bleibt unter dem Strich oft gar nichts. Gut zwei Drittel haben kommerzielle Absichten und wollen mir Grundstücke auf Mallorca, Hundefutter, Damenkleider, Coaching-Programme, Hungerkuren oder andere unnütze Schnäppchen verklickern. All die werden vorweg ignoriert und meist geblockt. Bei den übrigen schaue ich mir die Tweets genauer an, und wo ich auf überdurchschnittlich Interessantes oder Schräges stosse, folge ich sofort zurück. Die Messlatte liegt allerdings hoch, da meine TL schon recht belebt ist. Die anderen müssen sich gedulden. Wer aber regelmässig durch Witz und Geist in Antworten oder Retweets auffällt, wird früher oder später auch von mir verfolgt. Keine Chance haben Flitzer mit Hosen !

So viel zu meinem Folgeverhalten auf Twitter, weil ich öfter danach gefragt werde. Auf Facebook akzeptiere ich jede Freundschaftsanfrage.

PS: Wie ich es mit Sternen und Follower-Empfehlungen halte, findet ihr auf einem späteren Kalenderblatt.

12. Februar 2011

TweetDeck im Galopp

Ich gehe nicht davon aus, dass die Entwickler von TweetDeck meine Kalenderblätter lesen. Umso grösser war heute Morgen meine freudige Überraschung. Das Nexus S zeigte mir einen Update für TweetDeck for Android an, und nach der Installation waren die beiden Inkompatibilitäten mit Gingerbread beseitigt, die ich im Kalenderblatt vom 10. Februar 2011 moniert hatte. Danke, ihr flotten Kerle!

Ob es Telepathie war oder Zufall, weiss ich nicht. Aber wir können es ja noch einmal versuchen: Eine automatische Erkennung der Usernamen beim Schreiben wie in TweetDeck Desktop wäre nämlich auch noch geil. Es muss ja nicht gerade so perfekt sein wie in Seesmic for Android, wo die Benutzer nach dem Antippen des @ und der ersten Buchstaben sogar mit Bild eingeblendet werden...

11. Februar 2011

Spuk mit Spucke

Genau heute vor acht Jahren kam es in der Eingangshalle des Bundesgerichts zu einem bisher einmaligen Zwischenfall. Ein Mitglied des höchsten Schweizer Gerichts spuckte mich von hinten an und traf dabei einen mit mir diskutierenden Gerichtsschreiber ins Gesicht. Der Vorgang erschütterte das Vertrauen in die Justiz derart, dass das Gericht eine Woche später den fraglichen Richter aus der Rechtsprechung verbannte und seinen Rücktritt verlangte. Als eine Demission unterblieb, setzte das Parlament eine Arbeitsgruppe ein, die den Vorfall sowie dessen Hintergründe untersuchte und einen 94 Seiten starken Bericht darüber verfasste. Zwei Tage vor dessen Veröffentlichung trat der spuckende Richter zurück.



Als ich unlängst im Rahmen eines Vortrags an der Richterakademie in Luzern feststellen musste, wie total unvertraut unsere Justiz mit neuen Medien wie Twitter und Facebook ist, stellte ich mir die Frage, wie das Ganze  heute ablaufen würde. Damals vereinbarte das Gericht mit den nicht betroffenen Journalisten, die Information zunächst 24 Stunden zurückzubehalten, um dem Richter Gelegenheit zu geben, ohne Gesichtsverlust aus gesundheitlichen Gründen zurückzutreten. Danach sollte der Mantel des Schweigens über die Geschichte gebreitet werden. Dass es nicht dazu kam, ist wohl einzig darauf zurückzuführen, dass der spuckende Richter nicht mitspielte. Heute liesse sich die Information über ein solches Ereignis wohl keine einzige Stunde mehr zurückhalten, denn im Gegensatz zu den Richtern und ihren Schreibern kennt sich das übrige Personal im Palais, wo die Neuigkeit sich wie ein Lauffeuer ausbreitete, zu einem grösseren Teil aus mit neuen Medien.

Die Wirkung der Berichterstattung war schon damals verheerend für das Bundesgericht. Auf der Frontseite der Boulevardzeitung «Blick» prangte mehrspaltig ein überaus unvorteilhaftes Portrait des Verantwortlichen mit der fetten Überschrift «Dieser Richter spuckt» ! Etwas gemässigter ging es in anderen Medien zu, und die durch ihren Korrespondenten direkt getroffene Neue Zürcher Zeitung vermeldete das Ereignis unter dem diskreten Titel «Entgleisung eines Bundesrichters». Innert kürzester Zeit gingen rund 50 empörte Eingaben ein im Gericht, und in etlichen Verfahren, an denen der fragliche Richter mitgewirkt hatte, wurde eine Revision des Urteils verlangt. Das Bundesgericht sah sich der Lächerlichkeit preisgegeben und spürte, so der Bericht der parlamentarischen Arbeitsgruppe, dass das Vertrauen «in das oberste Gericht erschüttert war». Wer die neuen Medien kennt und insbesondere weiss, wie auf Twitter Emotionen innert Kürze masslos hochgeschaukelt werden können, vermag sich die Folgen auszumalen, die ein vergleichbares Ereignis heute auslösen würde. Der Schaden für die Justiz wäre um ein Vielfaches grösser und nachhaltiger, zumal das Bundesgericht weder auf Facebook noch auf Twitter präsent ist und einem solchen Geschehen weitgehend hilflos gegenüber stünde. Dabei ist nur eine Frage der Zeit, bis es zu einer derartigen Auseinandersetzung kommt - beispielsweise mit einem Querulanten der jüngeren Generation.

10. Februar 2011

Schnell aber durstig

Wie versprochen hier ein paar erste und subjektive Eindrücke vom neuen Nexus S, das ich seit vorgestern Abend benutze. Im Vergleich zum Galaxy S I9000, das ich vorher hatte, fällt vorab der Bildschirm auf. Er ist für meine nicht eben guten Augen eindeutig noch besser, aber der Hauptunterschied betrifft die haptische Wahrnehmung. Der Bildschirm fühlt sich völlig anders an und reagiert unabhängig von Temperatur oder Feuchtigkeit der Finger auf zarteste Bewegungen. Wird beim Schreiben mit Swype das Temperament nicht gewaltig gezügelt, resultiert wenig wenig verständlicher Text. Einmal umgewöhnt, wird indes das Schreiben auf herkömmlichen Bildschirmen schwierig.

Ebenfalls positiv überrascht hat die Geschwindigkeit des Geräts sowohl offline als auch über WLAN-Verbindungen. Teilweise dürfte das auf Android 2.3 (Gingerbread) zurückzuführen sein, mit dem sich allerdings einige Apps noch etwas schwer tun. In TweetDeck beispielsweise lässt sich die URL-Verkürzung nicht mehr über das Menu aufrufen, und auch einen anderen Weg habe ich nicht gefunden. Zudem setzt TweetDeck unter Gingerbread den Cursor bei Antworten nicht hinter, sondern vor den Empfängernamen, so dass der Tweet an alle geht, wenn man nicht korrigierend eingreift. Doch da werden sicher noch Updates folgen. *)

Sicher nicht besser als das Galaxy S I9000 schneidet das Nexus S beim Stromverbrauch ab. Die Leistungen der beiden Akkus sind identisch, doch ist die Batterie des neuen Geräts spürbar (noch) schneller leer. Ob das grosse S im Namen beider SmartePhones für Säufer steht? Ein Zusatzakku, wie ich ihn für das Galaxy S I9000 in der Hosentasche hatte, ist für das Nexus S leider erst im März lieferbar. Bis dahin sind Steckdosen gesucht und gefragt!!

*) Mehr dazu im Kalenderblatt vom 12. Februar 2011

9. Februar 2011

Twaschenmesser

Twitter kommt mir oft vor wie ein Schweizer Taschenmesser mit zwei Dutzend verschiedenen Instrumenten. Man kann damit über den Alltag plaudern, alte Bekannte wiederfinden, Kontakt mit Freunden halten oder bisher Unbekannte kennen lernen. Dank der Funktion «direct message» lassen sich Vertraulichkeiten austauschen oder Inhalte, die keinen anderen interessieren. Über Twitter lassen sich Links zu Artikeln oder Blogposts verlinken und Fachwissen verbreiten. Man kann politische Diskussionen lostreten oder ganz einfach polemisieren. Und für tiefgründiges Philosophieren ist Twitter genau so geeignet wie für simples Blödeln. Und damit sind noch längst nicht alle Arten der Twitternutzung aufgezählt.


Persönlich nutze ich recht viele dieser Funktionen und schätze die ungezählten Möglichkeiten bei Twitter genau so wie bei einem Taschenmesser. Damit enttäusche ich oft Leute, die vom Berichterstatter einer relativ seriösen Zeitung am höchsten Gericht des Landes erwarten, dass er nur über Rechtsprechung und andere ernsthafte Seiten seiner Arbeit twittert und ansonsten feierlich schweigt.Mir persönlich fiele eine solche Einschränkung sehr schwer und daher gar nicht ein. Benutze ja bei einem Schweizer Taschenmesser auch nicht nur den Zahnstocher...

8. Februar 2011

Gerüch(t)eküche


Heute tage die I. Zivilrechtliche Abteilung des Bundesgerichts nicht im blauen Saal, wo sie hin gehört, sondern im roten Saal, welcher der II. Zivilrechtlichen Abteilung gehört. Habe natürlich sofort Recherchen eingeleitet, um die Gründe für den beispiellosen Traditionsbruch zu erforschen.

Üble Gerüche hätten das Gericht aus seinem angestammten Saal vertrieben, besagte ein erstes Gerücht. Nicht Gerüche seien die Ursache, sondern Gerichte, meinten andere Quellen.  Am wahrscheinlichsten erscheint eine Kombination von beidem: Präzis unter dem blauen Saal befindet sich die Küche der Cafeteria. Und die dort am späten Vormittag angerichteten Gerichte lassen offenbar Gerüche aufsteigen, die den Menschen im Gerichtssaal unangenehm in die Nasen steigen.

Um weiteren üblen Gerüchten vorzubeugen: Das Essen in der Cafeteria schmeckt laut meinen Gewährsleuten durchaus gut!

7. Februar 2011

Papierlos II

Zum Kalenderblatt von gestern wurde zu Recht angemerkt, dass sich auch herkömmliche PDF-Dateien so herstellen lassen, dass sie nicht gedruckt werden können. Für mich liegt der Vorteil einer zusätzlichen Option darin, dass ich in der Druckerauswahl beide Möglichkeiten - druckbar und undruckbar - anklicken kann, ohne jedes Mal die Einstellung zu ändern.

Was mich allerdings nervt an der neuen grünen Option ist die penetrante Extension *.WWF. Würde mich nicht wundern, wenn sich das Ganze schon allein deswegen nicht durchzusetzen vermag. Denn jedes Mal die Extension zu ändern ist ebenso mühsam wie immer die Speicheroptionen anzupassen...

Gammelliste

Ich habe mir über das Wochenende einmal die gut 160 Twitterlisten angeschaut, in denen ich aufgeführt werde. Dass ich da unter diversen «ius», «law» und «journalist» aufzufinden bin, erstaunt wohl keinen. Auch auf der Liste «juristenfutter» fühle ich mich durchaus heimisch. Was indes einer, der wie ich kein Blut sehen kann, auf der Liste «erste-hilfe» soll, bleibt ebenso schleierhaft wie meine Aufnahme in die Liste «xy-chromosomen». Und falls mein Physiklehrer vom Gymnasium in seinem Grab rotieren sollte, ist es vermutlich, weil ich es auf Twitter zu den «quantenphysikern» geschafft habe.

So richtig meinen Kamm schwellen lassen Listen wie «timeline-schoki», «edelkerle», «genialeschweizer» und natürlich «tolle-menschen». Auf den Boden der Realität zurück geholt haben mich dann aber die Einträge in «banausen» und «gammellist».

6. Februar 2011

Papierlos?

Als ich ins Gymnasium ging, gab es die ersten allgemein zugänglichen Fotokopierer. Wie sehr auch dieses Gerät unsere Welt verändert hat, wissen jene weissen Häupter, die noch ohne Kopiermöglichkeit eine Dissertation geschrieben haben. Auch mir als Mittelschüler erleichterte der Fotokopierer das Leben ungemein. Statt die Französisch-Hausaufgaben von der liebsten Mitschülerin abzuschreiben, konnte ich sie fortan kopieren.

Aus dieser Zeit stammt der folgende Dialog. Chef zur Sekretärin: «Wir brauchen Platz im Archiv. Werfen sie alles weg, das mehr als zehn Jahre alt ist!» - «Wirklich wegwerfen?» - «Ja, aber machen sie vielleicht vorher noch eine Kopie von jedem Dokument!» So begann das mit dem papierlosen Büro. Viele meiner Kollegen sind heute noch nicht weiter. Was sie als PDF zugeschickt erhalten, wird ausgedruckt und abgelegt und bei Bedarf mit dem ollen Fax weiter gesendet.

Dem lässt sich jetzt mit einem vom WWF entwickelten Dateiformat ein Riegel schieben. Die Software kann hier heruntergeladen werden. Nach der Installation  erscheint ein zusätzlicher virtueller Drucker in der Auswahl, über den jedes Dokument aus jeder Anwendung im neuen Format mit der Extension *.WWF abgespeichert werden kann. Es entsteht ein ganz normales PDF-Dokument mit der einzigen Eigenheit, dass es sich nicht drucken lässt. Wer es verwendet, zwingt den Empfänger, das Dokument auf dem PC aufzubewahren, statt ausgedruckt irgendwo zu horten. Wenn man davon ausgeht, dass sechs Prozent aller ausgedruckten Papiere ungelesen entsorgt werden, liesse sich da wohl ein gehöriges Mass an Energie einsparen, CO2-Emissionen vermeiden und Bäume retten.

Achtung: Das Format ist noch relativ unbekannt. Bei HootSuite beispielsweise lassen sich solche Dokumente nicht hochladen und vertwittern. Für solche Fälle kann man aber die Extension *.WWF ganz einfach durch *.PDF ersetzen und alles passt - nur drucken lässt es sich immer noch nicht.

5. Februar 2011

Ursache ohne Problem

Zuviel Wissenschaft ist ungesund. Auch in der Medizin. Vor allem wenn es damit endet, dass am Ende eine Ursache gefunden wird, für die es kein Problem gibt.

Es geht um einen Nerv in meinem rechten Bein, der laut den Messungen des Neurologen kaputt ist. Warum er kaputt ist, wollte ich herausfinden lassen in der Hoffnung, es gebe eine mechanische Ursache, die sich operativ beseitigen liesse. Denkbare letzte Möglichkeit war das Knie, das daher gestern auch noch in die Röhre musste. Der Radiologe wurde fündig, und laut seinem Befund muss mir das Knie arg weh tun. Tut es aber partout nicht. Schmerzen tut es anderswo, und dafür kommt der Knieschaden als Ursache nicht in Frage.

Westlich des Röstigrabens würde man jetzt wohl das Knie operieren, obwohl es nicht weh tut. Die Ursache beseitigen, bevor es ein Problem gibt. Und wer weiss, vielleicht schmerzt das Knie ja nach der Operation. Und auch mit dem kaputten Nerv wüsste man in der Lausanner Universitätsklinik CHUV durchaus die teure Infrastruktur auszulasten. Wie das zugeht, habe ich vor Jahren schon beschrieben unter dem Titel «Vom Fox ins CHUV».

Und was tut man hier? Nichts, so lange es nicht schlimmer wird, und das ist gut so.

4. Februar 2011

Pflanzplätz

Mein Gedächtnis ist nicht mehr, was es in jungen Jahren einmal war. Seit einer Woche hing an der Kühlschranktür ein Zettel mit der Aufschrift «Pflanzplätz». Es war meine Handschrift, doch ich konnte mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, was ich mit dieser Notiz in Erinnerung behalten wollte. Heute nahm ich ein LC1 aus dem Kühlschrank. Ihr wisst schon: Verdauung gut, alles gut!. Ich schüttelte das Fläschlein wie vorgeschrieben und starrte derweil auf den rätselhaften Zettel an der Kühlschranktür. Da war sie wieder da, die Erinnerung: Pflanzplätz ist eine Musikgruppe, über die letzthin im Fernsehen berichtet wurde, und deren Webseite ich besuchen will.

Von wegen, Verdauung! Gedächtnis gut, alles gut! Und das allein vom Schütteln...

3. Februar 2011

Bös oder nur unbedarft?

Dass ein Gericht in einzelnen Fällen sensible Details abdeckt, wenn es ein Urteil veröffentlicht, ist nicht nur erlaubt, sondern geboten. Wenn ein Gericht im Grössten Teil aller Urteile die Namen abdeckt, beschert das unnötigen Aufwand. Der Gerichtskanzlei beim Anonymisieren und der Öffentlichkeit beim Lesen. Doch so lange die Justiz genug Kapazität frei hat für solche Übungen, muss der Leser gute Mine zum blöden Spiel machen.

Daneben gibt es Einschränkungen, die sind absurd, wie etwa jene des Bundesgerichts im Falle des Hanfbauern X. Noch einen drauf gesetzt hat heute das erstinstanzliche Bundesverwaltungsgericht im Streit darüber, ob der Erlös aus dem Verkauf von Gönnerkarten eines Flugrettungs-Unternehmens der Mehrwertsteuer unterliegt oder nicht.  Der Name des Unternehmens wurde in dem der Presse abgegebenen Urteil ebenso abgedeckt wie sein Eintrag im Handelsregister. Und das, obwohl das gleiche Gericht - wenn auch noch unter anderem Präsidium - im April 2009 von sich aus den Journalisten angezeigt hatte, dass die Schweizerische Rettungsflugwacht (Rega) in solchem Zusammenhang eine Beschwerde eingereicht hat. Geht es in dem heute veröffentlichten Urteil um die Rega, ist die Anonymisierung absurd und schikanös. Und geht es nicht um die Rega, ist die Anonymisierung irreführend und schikanös.

Nach dreissig Jahren Gerichtsberichterstattung kenne ich die Justiz recht gut. Was indes hinter solch abartigem Verhalten steckt, habe ich bis heute nicht herausgefunden. Lediglich eingrenzen lassen sich die möglichen Ursachen. Etwas anderes als böser Wille oder Unbedarftheit kommt wohl nicht in Frage.

Schwarzes Loch

Frauen haben ein schwarzes Loch. Ja, die meisten Frauen haben nicht nur ein schwarzes Loch, sondern gleich mehrere und meistens sehr viel Geld bezahlt dafür. Sie sind eingefasst in edles Leder, teuren Stoff oder billigen Kunststoff. Aber immer apart verziert und farblich angestimmt auf Schuh und Gurt. Sie werden unter dem Arm getragen, die bunt gefassten schwarzen Löcher, oder an einem Schulterriemen.

Was eine Frau so braucht oder aus anderen Gründen mit sich führt, ist in dem schwarzen Loch. Und was eine Frau verzweifelt sucht, das war in dem schwarzen Loch: Schlüssel, Führerschein, Feuerzeug, Handy, Pfefferspray, Hundekuchen, Kaugummi... Wer Frauen kennt, vermag die Liste beliebig zu verlängern. Im Falle meiner Frau scheint das schwarze Loch sogar Fernwirkung zu haben. Es wird gewöhnlich neben der Tür zur Waschküche abgestellt, und prompt verschwinden bei uns massenweise einzelne Socken.

2. Februar 2011

Schlüpfriger Eunuch

Von Eunuchen im Twitterland war die Rede in der neuen medienwoche.ch, und gemeint waren Journalisten. Im zweiten Teil des Textes war von mir die Rede und von «Twitterrhoe», «Blabla», «Altherrenzoten» sowie «Schlüpfrigkeiten». Letzteres traf mich ein wenig, denn genau das versuche ich in meinen Tweets zu vermeiden. Muss allerdings einräumen, dass puritanische Gemüter die Grenze zur Schlüpfrigkeit vielleicht enger ziehen, als das in meiner Timeline der Fall ist. Das ist ja das Geniale, dass man nur folgt, wem man folgen will. Wer mein Gezwitscher nicht mag, ist gar nicht da (oder selber schuld). Aber das ist nicht allgemein bekannt ausserhalb von Twitterland.

Ich wollte dann aber doch die Probe aufs Exempel machen heute Morgen und fragte meine Follower, ob ich aufhören soll. Ich bin mehr als zufrieden mit den Reaktionen, und besonders bemerkenswert scheint mir die Antwort der lieben @sinnundverstand: «Altherrenzoten und Schlüpfirgkeiten? Was habe ich verpasst? Klingt gut ! :)).» Und geschwunden ist die Zahl meiner Follower heute nicht, ganz im Gegenteil...

Sehr lesenswert ist auch der Kommentar von Peter Hogenkamp (@phogenkamp), dem Leiter Digitale Medien der NZZ-Gruppe, zum Ganzen.

Weitere Kommentare finden sich auf Facebook.

Fetter Apfel

Nach Berechnungen des Marktbeobachters Asymco haben lediglich vier Prozent der weltweit verkauften Mobiltelefone einen Apfel auf dem Gehäuse, doch streicht Apple gut die Hälfte aller Gewinne der Branche ein (derStandard.at). Heisst das nun, dass iPhones zu teuer sind? Der Markt sagt nein, denn die Dinger werden ja massenweise gekauft. Genau genommen heisst es nur, dass im Preis eines iPhones viel mehr Gewinn für den Hersteller enthalten ist als in anderen Geräten. Oder anders herum: Steve Jobs hat die nettesten aller Kunden, die grosszügig genug sind, ihm bei jedem Kauf eines iPhones einen fetten Gewinn in den Allerwertesten zu stecken.

1. Februar 2011

Papst Christian I.

Franz Müntefering hatte einmal gesagt, das schönste Amt neben dem des Papstes, sei der SPD-Vorsitz. Wie gewohnt unbelastet von Reflexionen ist rechtzeitig zum Wahlkampf auch Christian Levrat auf das Papa-Mobil gesprungen. Gegenüber tagesanzeiger.ch sagte er heute: «Das stimmt auch für mich und die SP Schweiz!»

Parallelen sind durchaus auszumachen zwischen den Kirchenfürsten. Auch in der roten Kirche von Papst Christian I. gilt es, Absurdes zu glauben. Zwar nicht gerade an die jungfräuliche Empfängnis, aber zum Beispiel an den Erfolg des Klassenkampfs. Doch selbstverständlich gibt es auch Unterschiede. So werden römische Päpste heute nicht mehr vorzeitig gemeuchelt oder abgesetzt, sondern bis zum zittrigen Ende im Amt belassen.