30. Juni 2010

Arroganz des Monopols



Das Drama mit der Erneuerung meines Generalabonnements, über das im Kalenderblatt vom 17. Juni zu lesen war (Warum auch einfach ?), ist um ein Kapitel reicher. Der mit hochauflösendem Farblaser erstellte Ausdruck des neuen Passbildes wurde von den Bürokraten der SBB wegen angeblich ungenügender Druckqualität zurückgewiesen. Hierauf übermittelte ich auf Anraten meines Fotografen die Bilddatei elektronisch - in zwei Formaten, per eMail und auf Diskette. Die Antwort wörtlich: «Aus technischen Gründen können wir online Fotos noch nicht bearbeiten.» Und das anno domini 2010!


Zum Totlachen, wenn man einfach zur Konkurrenz gehen könnte. Doch er hat hier das Monopol, der Amtsschimmel und weiss genau, dass er seine Arroganz für einmal nicht zu zügeln braucht. Da ich beruflich reisen muss, blieb in der Tat nichts anderes, als in sämtlichen Schubladen nach einem herkömmlich erstellten Passbild zu kramen und dieses einzureichen. Doch während ich mir auf den Kopf scheissen lassen musste vom Amtsschimmel, übte ich feine Rache und pinkelte ihm meinerseits still ans Bein: Das endlich genehme Foto ist nämlich womöglich noch älter, als das alte, das es zu ersetzen galt. Blöd gelaufen, aber die wollten ja unbedingt ein Bild aus prädigitaler Zeit...
fel. 

29. Juni 2010

Kleinkriminalität auf zwei Rädern



Es entspricht vielleicht nicht ganz dem Zeitgeist, aber mit bald 60 Lenzen darf man ein wenig altmodisch sein: Ich versuche mich an geltendes Recht zu halten, und das auch auf dem Velo! Ich beachte zwar nicht blind und sinnlos jedes Fahrverbot, aber wo Fussgänger sind, steige ich ab und stosse meinen Drahtesel. 


Allerdings ist es auch nicht immer ganz einfach, sich an Recht und Ordnung zu halten, wie das nebenstehende Foto zeigt, zu dem @FlohEinstein twitterte: «Grammatik verboten - Radfahren erlaubt?»  Ein weiteres Beispiel fand sich bis vor kurzem auf der Luzerner Allmend, wo der offizielle Radwegweiser zur Kulturstätte Südpol zum grossen Ärger der gassigehenden Hundefreunde geradewegs ins Fahrverbot wies. Nördlich von Bellinzona ist das Symbol für den Veloweg ins Misox sogar gleich unterhalb des Fahrverbots an der gleichen Stange befestigt.


Hätte ich bei einer guten Radler-Fee drei Wünsche offen, wüsste ich gleich was: Zum ersten, dass nicht mehr Verbotstafeln aufgestellt werden als unbedingt erforderlich. Zum zweiten, dass die wenigen verbleibenden Fahrverbote von allen respektiert werden. Und drittens, nicht nur von allen, sondern auch von den zur Arbeit radelnden Schreibern des Bundesgerichts im Park von Mon Repos.
fel.



28. Juni 2010

Die Gunst der Unparteiischen



Auch mir als Zeitgenossen mit beschränktem Sportverständnis gab es gestern zu denken, als es gleich in beiden Achtelsfinal-Spielen zu kolossalen Fehlentscheiden der Schiedsrichter kam. Für die Fifa stimmt die Rechnung vielleicht, wurde doch je ein Goal zu viel und eines zu wenig anerkannt, was unter dem Strich eine ausgewogene Bilanz ergibt. Für die betroffenen vier Mannschaften dürfte es anders aussehen. England und Mexiko werden sich noch lange fragen, ob sie ohne den Fehlentscheid nicht intakte Siegeschancen gehabt hätten. Deutschland und Argentinien müssen sich fragen, ob sie so überlegen gesiegt hätten, wenn alles korrekt gelaufen wäre. Und spätestens im Viertelsfinal stellt sich für die beiden Sieger die Frage, wem denn nun dieses Mal die Gunst (oder das Unvermögen) des Unparteiischen winkt.


Schiedsrichter seien eben auch nur Richter, war nach dem Spiel Deutschland gegen Serbien auf Twitter zu lesen. Genau genommen sind es sogar letztinstanzliche Richter, denn ihre Spielentscheide sind - ob falsch oder richtig - endgültig. Schiedsrichter werden allerdings unmittelbar nach dem Spiel mit Fernsehbildern konfrontiert, die den Fehlentscheid gnadenlos belegen. Im wirklichen Leben dagegen sind Fehler der Justiz selten so eindeutig nachzuweisen. Und werden doch einmal nachträglich entscheidende Beweismittel aufgefunden, hat der Richter im Gegensatz zu seinem sportlichen Kollegen die Möglichkeit, den Fehler auf dem Weg der Revision zu korrigieren (Art. 123 Bundesgerichtsgesetz).


Im Übrigen aber sind alle Richter gleich: Sie machen hie und da Fehler, aber vielfach auch keine. Sie werden für beides von den Parteien gescholten. Und ohne sie würde das Faustrecht gelten - auf Fussballplätzen wie im wirklichen Leben.
fel.

26. Juni 2010

Käseinformation



Der griechische Feta wird traditionell aus Schafsmilch hergestellt, bisweilen auch aus Ziegenmilch. Zudem werden hierzulande dem Feta ähnliche Käse aus Kuhmilch angeboten. Darum schaue ich immer ganz genau hin. Denn Schafsmilch ist mir sehr lieb. Kuhmilch geht auch. Aber wenn auch nur ein Tropfen Ziegenmilch für die Herstellung des Käses verwendet wurde, leidet mein edler Gaumen Höllenqualen.


Doch dieses Mal war keines der drei Milch spendenden Viecher erwähnt auf der Verpackung. Wohl las ich da, dass der Käse noch genau bis zum 6. August um 08.31 Uhr verkauft werden darf. Sodann dass neben Salz auch Zucker sowie gesättigte Fettsäuren, ein paar Kalorien aber keine einzige Nahrungsfaser im Käse sind, war fein säuberlich aufgezeichnet. Nur nicht, aus wessen Euter die Milch gemolken wurde. Als Zutat aufgeführt war einfach «Milch». Und als ich voller Hoffnung die dahinter stehende Klammerbemerkung öffnete, stand da schlicht «Schweiz» und Klammer zu.
fel.

PS: Ich habe den Käse schliesslich gekauft. Doch wehe, das Schweizer Euter gehörte einer Ziege!

22. Juni 2010

Des Richters Sprache



Rechtsprechung hat zumindest vom Wortlaut her mit Sprechen und mit Sprache zu tun. Nach der heutigen öffentlichen Urteilsberatung des Bundesgerichts in Luzern bleibt allerdings zu hoffen, dass nicht einfach so von der Sprache der Richter auf die Qualität der Rechtsprechung geschlossen werde. Der Arbeitgeber habe «eine Fürsorgepflichtverletzung gemacht», sagte einer und meinte «die Fürsorgepflicht verletzt». Und von der «Beseitigung eines Mitarbeiters» war die Rede, wobei es eigentlich um dessen Freistellung im Amt ging. Keineswegs zwei isolierte Entgleisungen, sondern Blüten aus einem bunten Strauss von Beispielen für mangelnde sprachliche Kompetenz.


Dass es auch anders geht, bewiesen mit Voten auf hohem sprachlichem Niveau der französischsprachige Richter sowie der Gerichtsschreiber.
fel. 

Fataler Schönheitsschlaf



Wer nichts macht, macht nichts falsch, sagt man. Stimmt offenbar bei Twitter nicht. Solange ich nämlich twittere jeden Tag, kommt hie und da ein neuer Follower dazu. Selbst wenn ich zum Fussball über die Deutsche oder die Schweizer Mannschaft lästere, verliere ich keinen Follower. Doch über Nacht, wenn ich den Schlaf des Gerechten schlafe und keinem Böses tue, entschwinden sie. Weiss der Geier warum und wohin.


Was soll ich machen? Nachts auch noch twittern kommt nicht in Frage. Da ist mir mein Schönheitsschlaf zu wichtig. Einen Ghostwriter einstellen, mag ich nicht, weil ich sonst am Morgen dessen Tweets auch noch lesen muss. Bleibt nichts anderes, als damit zu leben, dass ich im Schlaf verliere, was sich tagsüber anhäuft. Wenn das nur mit den Pfunden am Bauch genauso wäre...
fel.

21. Juni 2010

Kalenderdurcheinander



In diesem Jahr verbleiben noch gut 130 Arbeitstage. Dennoch schafft es das Bundesgericht nicht, die drei einzigen zurzeit angesetzten öffentlichen Urteilsberatungen irgendwie vernünftig auf diese über 130 Arbeitstage zu verteilen. Zwei der drei Sitzungen finden am 7. Juli statt. Zwar nicht präzis zur gleichen Urzeit, aber eine in Lausanne und eine im 250 Kilometer entfernten Luzern.


Damit wird die gesetzlich vorgeschriebene Öffentlichkeit der Urteilsberatung faktisch eingeschränkt. Denn ohne erheblichen logistischen Aufwand, viel Stress und etwas Glück ist es einem Bürger nicht möglich, beiden Veranstaltungen beizuwohnen. Der Grund dafür ist schwer auszumachen. Weder gibt es so viele Sitzungen, dass Terminkollisionen unvermeidlich und damit hinzunehmen wären. Und dass der Grundsatz der Öffentlichkeit bewusst unterlaufen wird, soll dem höchsten Gericht nicht unterstellt werden. Als mögliche Erklärungen verbleiben: Mängel in der Organisation oder ungenügende Präsenz der Richter. Gegen die erste Vermutung spricht, dass die beiden Termine auf der Webseite geschickt so placiert wurden, dass die Überschneidung nicht offensichtlich wird. Oder ist das nur darauf zurückzuführen, dass der hauseigene Informatikdienst auch den Kalender nicht beherrscht?
fel.

20. Juni 2010

Fragen zum Fussball



Wer wie ich von Fussball nicht mehr versteht als eine Jungfrau vom Sex (Kalenderblätter vom 11. und 15. Juni 2010), hat tausend Fragen. Zum Beispiel: Warum gehen die Spieler zur Pause nicht wie andere Leute in die Cafeteria, sondern in die Garderobe?


Als Journalist weiss ich, dass man auf Fragen nur konfektionierte Antworten erhält. Wer nicht den neuesten Stand des Irrtums kennen will, sondern die Wahrheit, muss beobachten. Das tat ich und notierte alles, sogar die Farben der Kleider. Rot war beim ersten Spiel das Dress der Küchenmannschaft. Die spielen bei mir im Fernseher von links, wo die Küche ist, nach rechts zum Balkon hin. In umgekehrter Richtung spielt das Balkonteam, und das trug schwarz-weiss. Doch nach der Pause traute ich meinen Augen nicht. Nun trug das Balkonteam rot und die Küchenmannschaft schwarz-weiss. Und das war kein einmaliges Versehen, sondern bei jedem Spiel wieder so. Die tauschen konsequent in der Pause ihre Kleider aus! Und dass das besser in einer Garderobe geschieht als in der Cafeteria, liegt eigentlich auf der Hand.


Wer noch Zweifel hat an meiner Beweisführung, soll einmal nach dem Schlusspfiff genau hingucken. Je nach Kameraführung sieht man da, wie einzelne Spieler einander die vertauschten Trikots verstohlen wieder zurück geben.
fel.

19. Juni 2010

Sofa-Coach



Ich äusserte mich ganz beiläufig über die groteske Mannschaftsaufstellung der einen und erkundigte mich scheu, ob die anderen zum Blumenpflücken auf dem Rasen stehen. Ansonsten habe ich lediglich, ein paar harmlose Fragen zur Unabhängigkeit des Schiedsrichters, zur asthmatischen Kondition des Mittelstürmers sowie zum schweinischen Charakter des linken Verteidigers gestellt. Und schon nennt die beste aller Ehefrauen mich einen Sofa-Coach.


Ungeheuerlich! Nichts ist falscher als dieser Vorwurf. Denn beim Fernsehen sitze ich immer am Esstisch und nie auf dem Sofa!
fel.

17. Juni 2010

Warum auch einfach ?



Vom Lokführer über den Kondukteur bis zu den Leuten im Bahnhof - das Frontpersonal der SBB macht täglich einen Superjob und gewährleistet den Reisenden einen öffentlichen Verkehr, um den uns Schweizer viele beneiden. Ich schätze die Leistung umso mehr, seit ich mein Generalabonnement erneuern wollte, und mit dem bürokratischen Unwesen hinter der Front Bekanntschaft machen musste.


Dass das Foto auf dem Abonnement von Zeit zu Zeit dem neuesten Stand der Alterung angepasst werden muss, ist mir bei jedem Blick in den Spiegel klar. Weniger klar scheint den Schreibtisch-Hengsten bei der Bahn zu sein, dass schon vor einigen Lenzen das Zeitalter der digitalen Fotografie angebrochen ist. Eine elektronische Übermittlung des Bildes sei nicht möglich, beschied man mir allen Ernstes. Und die Bezahlung erledigen und das Foto per Post nachliefern, werde intern auch nicht akzeptiert. Nun muss ich also das mir vom Fotografen per eMail gelieferte Passfoto ausdrucken und zum Schalter tragen, damit es von den Bürokraten wieder eingescannt und elektronisch weiterverarbeitet werden kann. Die Bildqualität lässt grüssen, sofern das aus dem Sattel hoch auf dem grossmächtigen Amtsschimmel überhaupt wahrzunehmen ist ...
fel.


15. Juni 2010

Wahre Jungfräulichkeit



Einige wollen standhaft nicht glauben, dass ich balltechnisch jungfräulich geblieben bin (Jungfrau am Ball). Dabei habe ich mich nur dem Willen des Schöpfers gefügt, der mich in seiner Weisheit nicht als Seehund erschaffen hat. Trotzdem war ich in der Schule beim Ballspiel beliebt. Jede Mannschaft wollte mich haben - im gegnerischen Team. Dort wirkte ich besser als jedes trojanische Pferd, wich jedem Ball aus und traf mich doch einmal einer an meinem damals noch gertenschlanken Leib, stand ich sicher so, dass der Ball einem gegnerischen Stürmer vor die Füsse fiel. Ins Tor gestellt haben sie mich nur einmal, denn beim ersten Angriff stand ich in weiser Voraussicht hinter dem Netz.
fel.

PS: Wer mit mir die Mittelschule besucht hat, weiss, dass jedes Wort wahr ist, selbst die Geschichte mit dem Tor...

14. Juni 2010

Richter haben immer Recht



Die Urteile der Richter seien immer richtig, meinte der Vater des italienischen Schriftstellers Piero Calamndrei nach fünfzigjähriger Anwaltstätigkeit auf dem Totenbett. Wenn er einen Prozess gewonnen habe, sagte der Sterbende, dann sie das geschehen, weil sein Klient Recht hatte. Und wenn er einen Prozess verloren habe, dann eben, weil die Gegenpartei Recht hatte.


Mit dieser Einsicht konnte der alte Calamndrei offenbar ruhig sterben. Vielleicht könnte man aber auch besser leben mit solcher Einstellung. Zumindest im Umgang mit letztinstanzlich entscheidenden Richtern, die gewissermassen von Amtes wegen Recht haben. Befindet ein solches Gericht nämlich unter Einhaltung der Verfahrensregeln mit Mehrheitsbeschluss, dass Wasser aufwärts fliesst, dann hat der Kläger Recht, der solchen Blödsinn behauptet. Und wenn Recht bekommt, wer Recht hat, ist das Urteil nach calamandreischer Logik richtig. Auch wenn Wasser weiterhin abwärts fliesst.
fel. 

13. Juni 2010

Hin und zurück



Mein erstes tragbares Telefon kostete 8'000 Franken, wog mehrere Kilos und hatte die Dimension einer mittleren Damen-Handtasche. Sofern man irgendwo eine Schneise mit Empfang zu orten vermochte, konnte man mit dem Ding telefonieren. Mehr ging nicht, SMS war nicht. Dann wurden die Geräte immer billiger und immer kleiner und konnten immer mehr. Das kleinste, das ich kenne, war nicht grösser als eine Kreditkarte, und konnte fast alles. Jedenfalls wenn man über die passenden Finger und Augen verfügte. Dann wurden die Dinger - mit und ohne Apfel drauf - wieder grösser und sind jetzt auch mit durchschnittlichen Fingern bedienbar. Die vorläufig letzte Errungenschaft - einstweilen erst mit Apfel darauf erhältlich - hat wieder die Dimension einer Damen-Handtasche und noch viel mehr drin als eine solche. Damit kann man, sagen sie mir, wirklich alles tun - ausser telefonieren.
fel.



11. Juni 2010

Unerlegte Wildsauen



Gestern habe ich verwundert festgestellt, dass die wenigen mir bekannten twitternden Schweizer Jusstudenten nicht auf der Liste twitternder Schweizer Juristen stehen. Dafür mag es Gründe geben, und vielleicht ändert sich das auch einmal. So entstand gestern Abend twitternd die Idee, eine Liste mit Personen zu erstellen, die während ihres Rechtsstudiums an einer Schweizer Uni twittern oder twitterten. Der Name der Liste «Unerlegte Wildsauen» geht auf ein Wortspiel von@FlohEinstein zurück, der das Sprichwort vom voreilig verteilten Fell des noch nicht erlegten Bären zoologisch durcheinander gebracht und den armen Meister Petz zur wilden Sau gemacht hatte.


Nun hoffe ich, dass die vier Studis auf der Liste sich möglichst rasch vermehren. Nicht biologisch reproduktiv, das dauert zu lange, sondern aquirierend. Auf geht's zum Wildschweinfang !

Jungfrau am Ball








Das Ganze geschah, als es noch keine mobilen Kommunikationstechnologie gab und die Schweizer noch fast jedes Skirennen gewannen. Vor sehr langer Zeit also, habe ich einmal eine Versammlung von Politikern und Journalisten in tiefste Depression versetzt, ohne das zu wollen. Ich kam als Letzter und wurde gefragt, wer denn die Abfahrt der Herren gewonnen habe. Ich erinnerte mich, einen französisch klingenden Namen gehört zu haben und berichtete vermeintlich folgerichtig, es sei ein Franzose gewesen. Noch heute höre ich das Freudengeheul, das Stunden später erstönte, als nach der Versammlung jemand entdeckte, dass der vermeintliche Franzose ein Westschweizer war.


Also Vorsicht und Nachsicht mit mir, in den kommenden Tagen. Auch von Fussball verstehe ich nämlich nicht mehr als eine Jungfrau vom Sex. Ich höre rundum davon reden, ohne viel zu verstehen. Ich sehe es mir hie und da im Fernsehen an und reib mir die Augen. Nur gemacht habe ich es noch nie - aus Angst vor dem Ball !
fel.

10. Juni 2010

Skandalös



Skandalös ist ein Wort, das ich noch kaum je für ein Gerichtsurteil verwendet habe. Urteile können mehr oder weniger plausibel begründet sein, den gesunden Menschenverstand beleidigen, gegen Gesetze der Logik verstossen oder schlicht absurd sein. Ein skandalöses Urteil muss all das in einem sein und darüber hinaus in grobem Masse menschenverachtend.


All diese hohen Anforderungen erfüllt ein Schuldspruch der Waadtländer Justiz im Falle eines mehrfachen Vergewaltigers. Er sollte mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren davon kommen, unter anderem weil es sich bei seinen fünf Opfern «lediglich» um Prostituierte handelte. Warum ein Täter milder angefasst werden soll, wenn er einer Frau Gewalt antut, die Sex gegen Geld anbietet, ist nicht vorstellbar. Aufgrund solcher Logik könnte Strafrabatt auch beanspruchen, wer ein Mietauto stiehlt oder einen professionellen Stuntman über den Haufen fährt.


Zum Schluss die gute Nachricht: Das Bundesgericht hat das skandalöse Verdikt auf Beschwerde der Staatsanwaltschaft hin aufgehoben und die Sache zur Strafverschärfung an die kantonale Justiz zurückgewiesen.
fel. 

9. Juni 2010

Unberechenbare Justiz



Was haben Justiz und Börse gemeinsam? Beide sind weiblichen Geschlechts und daher immer wieder für Überraschungen gut. Wer den Verlauf der Aktienkurse zuverlässig erahnen könnte, würde schnell steinreich. Den Gang der Rechtsprechung vorauszusehen erscheint nicht ganz so einträglich, aber ebenso unmöglich.


Wer ein Gericht anruft, ist oft felsenfest überzeugt, dass er Recht hat und - spätestens vor letzter Instanz - auch Recht bekommen wird. Eine Gewissheit, die sich nur allzu oft als trügerisch erweist. Ich verweise auf meine Relativitätstheorie im Kalenderblatt vom 25. Januar 2010. Doch selbst wer dem Rechnung trägt und sich gar nicht erst auf die Justiz einlässt, kann seine Überraschung erleben. So erging es den beiden Mobilfunkanbietern Sunrise und Orange, denen die Wettbewerbskommission eine Fusion untersagt hatte. Sie fochten den Entscheid zunächst beim Bundesverwaltungsgericht an, zogen ihre Beschwerden aber wieder zurück, weil sie keine Chancen sahen. Und siehe da: Gestern schrieb das Gericht die Verfahren als gegenstandslos ab und verzichtete ausnahmsweise auf die Erhebung von Verfahrenskosten. Das mit dem Hinweis auf die durchaus «reellen Erfolgsaussichten» der Beschwerden (NZZ vom 9. Juni 2010, Seite 26)...
fel.

8. Juni 2010

Rumpelstilzchen



From Twitter:

__roger
9:24am, Jun 08 from Web
iPhone hier, iPhone da - ich bin wohl der Einzige der keines will ha. #reime #iphone4


Denkste:


Ach wie gut, dass niemand weiss,
dass auch ich aufs iPhone sch... !


fel.

7. Juni 2010

Alt oder Alzheimer?



In Geografie war ich schon immer schwach, und Briefträger wollte ich ebenso wenig werden wie Reiseveranstalter. Das mag die chaotische Planung unseres Kurzurlaubs am Bodensee erklären. Mit der Suche des Hotels begann ich kurz vor Abfahrt und musste feststellen, dass wegen der Fronleichnamsbrücke schon alles ausgebucht war. Problemlos Platz gab es schliesslich im Hotel Untertor in Altenrhein, wie ich meinte und auch gleich buchte. Da es offenbar nur ein einziges Hotel Untertor gibt in der Schweiz, brauchte ich den Ortsnamen gar nicht einzugeben im Navigationssystem des Autos. Und da Altenrhein und Altstätten keine 30 Kilometer auseinander liegen, merkte ich erst bei der Abfahrt von der Autobahn, dass etwas nicht stimmte.

Das Hotel Untertor stand nicht in Altenrhein am Bodensee, sondern in Altstätten im mittleren Rheintal. Doch alt bleibt alt und ist mir auf jeden Fall lieber als Alzheimer. Und wir erholten uns prächtig, gemächlich auf dem Velo. Sahen Lilienfelder und junge Störche im Nest. Trafen liebe Leute und tafelten köstlich. Nur am Bodensee waren wir nicht. Doch ich bin überzeugt, der besteht zum grössten Teil auch nur aus Wasser...
fel.

1. Juni 2010

Geklont und eingehundet




Was ich als unbedarfter Nutzer des Internets so alles anzustellen vermag, sprengt immer wieder meine wildesten Vorstellungen. So habe ich mich vor geraumer Zeit beim Blog der Hamburger Rechtsanwältin Alexandra Braun als regelmässiger Leser eintragen. Dass ich als solcher mit Bild in die Galerie der Blog-Leser aufgenommen würde, war mir klar. Doch nun prangt mein Konterfei gleich doppelt auf der Seite. Ein fel. neben dem anderen. Wie ich es fertig brachte, mich selber zu klonen bleibt schleierhaft. Ebenso wenig weiss ich, wie ich den Klon wieder loswerde, ohne mich ganz aus der Liste zu verabschieden. Das Schlimmste aber ist, dass Rechtsanwältin Brauns Blog auch von zwei Hunden gelesen wird. Und wo sitzen die beiden Köter? Einer dem Klon zu Füssen und der andere an meiner Seite!


Dabei sind wir ausgesprochene Katzenmenschen, mein Klon und ich, und mögen Hunde so wenig wie die Justiz Transparenz und Öffentlichkeit.